KOLLER VIEW 4/22

10 2 Vorschau auf die Auktionen PostWar & Contemporary und Impressionismus & Moderne Seit den 1960er-Jahren widmet sich der gelernte Bühnenbildner Arnaldo Pomodoro (geb. 1926) drei- dimensionaler Kunst. Der formale Kontrast zwischen der geschliffenen Perfektion archaisch-stereometri- scher Formen und der chaotisch-technodien Komple- xität ihres Inneren wird von nun an eine Konstante in Pomodoros Werk sein. Seine Objekte wirken wie ge- heimnisvolle Maschinen aus einem Science-Fiction- Film (Abb. 2). 1966 erhielt er den Auftrag, für die Expo in Montreal eine Kugel mit einem Durchmesser von dreieinhalb Metern zu entwerfen, die jetzt in Rom vor der Farnesina steht. Dies ist das erste der suggestiven und symbolischen Werke des Künstlers, die in öffentlichen Räumen plat- ziert wurden: auf den Plätzen in Mailand, Kopenha- gen, Brisbane, Los Angeles oder Darmstadt, vor dem Trinity College der Universität Dublin, im Cortile della Pigna der Vatikanischen Museen, vor dem Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York oder am Pariser Hauptsitz der UNESCO. Sehr früh be wegte sich der tschechische Maler Fra ntišek Kupka (1871–1957) weg vom R ealismus hin zur Abstraktion. Von Prag über Wien gelangte Kup- k a 1895 nach Paris, wo er sich als Modezeichner, Illustrator und Karikaturist über Was- ser hielt. War seine erste Schaffensphase noch stark vom Jugendstil und Neo- impressionismus geprägt, bewirkte die Begegnung mit der Künstlergruppe der Puteaux um Jacques Villon und Fernand Léger im Jahr 1 911 einen grundlegenden sti- list ischen Wandel: Nach intensiver Besc häftigung mit den Farbenstu- dien von Isaac Newton wandte er sich der abstrakten Malerei zu. Bereits 1912 stellt Kupka im Salon d’Automne aus und präsentierte dort als einer der Ersten überhaupt nichtgegenständliche Kunst. Noch vor dem Ersten Weltkrieg malte Kupka «Le Rouge Emporte», das wir in unserer Dezember-Auk- tion anbieten können (Abb. 1). Der intensive Gebrauch der Farbe Rot, die dem Betrachter hier direkt ins Auge springt, in Kombination mit den vibrierenden Linien und Kreisandeutungen, erinnern eher an die Bild- sprache grosser Nachkriegskünstler wie Mark Roth- ko (1903–1970) oder Serge Poliakoff (1900–1969). Letzterer ist eine Generation jünger als der Tscheche und malte nach anfänglichen figurativen Versuchen ohne gegenständliche Bezüge. Zwischen 1950 und 1970 zeigen seine Gemälde eine kräftige Polychro- mie, aus dieser Werkgruppe stammt das von uns an- gebotene «Bleu et lie de vin» (Abb. 4). Kupkas frühe Abstraktion 1 FÜR WEITERE INFORMATIONEN IMPRESSIONISMUS & MODERNE Jara Koller jara.koller@kollerauktionen.ch POSTWAR & CONTEMPORARY Silke Stahlschmidt stahlschmidt@kollerauktionen.ch ONLINE-KATALOGE www.kollerauktionen.ch © 2022, ProLitteris, Zurich

RkJQdWJsaXNoZXIy MTU2