KOLLER VIEW 4/24
pre view. 02 11 4 4 Monets Lichtspiel an der Seine Es ist kein Zufall, dass sich Monet wie viele andere Im- pressionisten immer wieder vom Wasser und seinem Lichtspiel angezogen fühlt. Das Bassin d’Argenteuil liegt nordwestlich von Paris in einem der grossen Mä- ander, die die Seine auf ihrem Weg nach Le Havre dort in die flache Landschaft zeichnet. Im Dezember 1871 zieht Monet mit seiner Familie nach Argenteuil. Die Stadt ist zu einem beliebten Ziel für Segel- und Rudersportbegeisterte geworden. Im Jahr 1875 schafft der Impressionist eine Reihe von Ge- mälden, die Segelboote zeigen, die im Hafenbecken von Argenteuil vor Anker liegen. Auch im vorliegenden Bild greift Monet dieses Motiv auf. In der spontanen Technik der Freilichtmalerei gelingt ihm eine farben- frohe und lebendige Momentaufnahme eines warmen Tages am Hafen. Der kräftige Pinselstrich verzichtet auf die Darstellung von Details. Vielmehr fängt Monet die Stimmung ein, die er amWasser erlebt. Dunkle Far- ben links und rechts geben der ausgewogenen Kom- position Halt und bilden den ruhenden Gegenpol zur virtuosen Darstellung des Himmels und der Wasser- oberfläche in der gesamten Palette der Blautöne. Die schlanken Masten der Segelschiffe scheinen sich im Rhythmus der Wellen zu bewegen. Bis 1878 bleibt Claude Monet mit seiner Familie in Argenteuil, es sind zugleich die prägenden Jahre für die Kunst des Impressionismus. Monet stellt seine Staffelei in die Landschaft oder in die Gärten seiner Häuser. Doch vor allem die Seine und die unaufhörli- che Bewegung der Boote ziehen die Aufmerksamkeit des Malers auf sich. In seinen Gemälden dieser Jahre zeigt Monet eine perfekte Beherrschung der fragmen- tierten Pinselführung, die das Spiel der Lichtvibratio- nen auf die Leinwand bringt. Die meisten Werke dieser Schaffensphase befinden sich heute in Museen, nur wenige in Privatbesitz. Claude Monet (1840–1926). Le bassin d’Argenteuil. 1875. Öl auf Leinwand. 54 × 74 cm. Schätzung: CHF 2 000 000/3 000 000
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