KOLLER VIEW 4/24
pre view. 02 9 1 René Magritte (1898–1967). Moralité du sommeil. Um 1941. Gouache auf Papier. 33 × 24,1 cm. Schätzung: CHF 400 000/700 000 © 2024, ProLitteris, Zurich 2 Kurt Seligmann (1900–1961). Nocturne. 1950. Öl auf Leinwand. 71,5 × 94,6 cm. Schätzung: CHF 50 000/80 000 © Orange County Citizens Foundation / 2024, ProLitteris, Zurich 5 Die Illusion als Denkanstoss Vorschau auf die AuktionModerne Kunst vom29. November 2024 Paradox anmutende Bildwelten, die wie Träume wir- ken, sind das Markenzeichen von René Magritte. Er setzt alltägliche Objekte und Szenerien ein, um sie in neuen, oft irritierenden Konstellationen darzustellen. Dieses künstlerische Konzept regt das Publikum zu seiner Zeit – hier Anfang der 1940er-Jahre – und bis heute dazu an, gewohnte Wahrnehmungen zu hinter- fragen und verborgene Bedeutungen des Sichtbaren zu entdecken. Ein charakteristisches Merkmal seiner Werke sind Widersprüche, wie hier das wallende blon- de Haar, das eine weibliche Figur zu umhüllen scheint. Doch statt den Körper zu zeigen, gibt Magritte den Blick auf ein Gitter frei und löst damit die realistische Bildwelt zugunsten einer inszenierten Illusion auf. Das Motiv der ausdrucksstarken Gouache (Abb. 1) geht auf zwei Arbeiten mit dem Titel «Le thérapeute» zurück, die der Künstler 1936 zunächst mit Gouachefarben und 1937 in Öl schuf. Eine Frau mit langem, wallen- dem Haar ist auch auf dem Gemälde «La connaissan- ce naturelle» von Anfang 1941 zu finden. Schliess- lich zeigt eine der Illustrationen, die Magritte zu Paul Éluards Gedicht «Moralité du sommeil» zeichnet, «Meine gesamte Kindheit war durchdrungen von dem alten Ideal des Glücksritters, das seit dem 15. Jahr- hundert einen unauslöschlichen Eindruck auf Basel hinterlassen hat. Die heraldischen Zeichen, die Rüs- tungen, die Flaggen, die Draperien, die Bänder – all dieses anachronistische Beiwerk war für mich sehr le- bendig. Es schien mir, als hörte ich in meinem Innern immer noch den ohrenbetäubenden Klang der riesi- gen Trommeln, die den Fasnachtstagen vorbehalten sind.» (Henri Héraut, 1935). genau dieselbe Figur. Der Dichterfreund, einer der wichtigsten Vertreter des literarischen Surrealismus, ist massgeblich an der Organisation der «Exposition Internationale du Surréalisme» beteiligt, die 1938 in der Galerie des Beaux-Arts in Paris stattfindet. Kurt Seligmanns breit gefächertes Œuvre reicht von der Druckgrafik über die Glasmalerei und Collage bis zur Malerei und Buchillustration. Der gebürtige Basler, der zunächst in Paris und später in New York lebt und arbeitet, findet schon früh Kontakt zu den Künstlern des Surrealismus; mit seiner Heimatstadt verbindet ihn auch die Mitgliedschaft in der Künstlergruppe 33. André Breton, die zentrale Figur der surrealistischen Bewegung in Frankreich, integriert Seligmann in diese neue Strömung. In den folgenden Jahren steht er in engem Kontakt zu Max Ernst, Hans Arp und anderen Protagonisten und nimmt, wie Magritte, an der «Expo- sition Internationale du Surréalisme» teil. Seligmanns Gemälde aus unserer kommenden Auktion (Abb. 2) zeigt eine Art nächtlichen Umzug, der an mittelalter- liche Prozessionen und Feste erinnert. Für weitere Informationen Impressionismus & Moderne Jara Koller & Cyril Koller jara.koller@kollerauktionen.ch Online-Kataloge www.kollerauktionen.ch 3 Man Ray (1890–1976). Natural painting. 1958. Acryl auf Karton. 18 × 24 cm. Schätzung: CHF 8 000/12 000 ©Man Ray 2015 Trust / 2024, ProLitteris, Zurich 2 3
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