Sammlung Dr. med. Sylvia Legrain Lot 1801–1932
| 26 Sammlung Frau Dr. med. Sylvia Legrain 1817 AUGSBURG, UM 1497 Zwei Aussenseiten der Flügel eines Triptychons: Heilige Afra auf dem Scheiterhaufen / Maria Aegyptiaca. 1497. Öl auf Holz auf neuere Holzplatte aufgezogen. Oben mittig bezeichnet: sct afra / sct maria egiptiam. 115,5 × 28,2 cm / 115,7 × 28,1 cm. Gutachten: - Dr. Alfred Stange, 9.5.1967 (als Meister des Nürnberger Rochus Altar, Gutachten in Kopie vorhanden). - Dr. Bernd Konrad, 9.1.2013 (als Augsburger Meister von 1497). Provenienz: - Sammlung Graf Du Molin, wohl München. - Fürstlich Hohenzollerische Kunstsammlung, Sigmaringen, 1897 bis 1928 (als Nürnberger Maler 1497, Inv.-Nr. 7318 und 7319). - Auktion der Fürstlich Hohenzollerischen Sammlungen, Frankfurt amMain, 1928, Nr. 69 und 70 (als Nürnberger Meister 1497). - Privatbesitz, Frankfurt amMain. - Kunsthandel Dr. Heinz Steinmeyer, München. - Auktion Lempertz, Köln, 21.4.1967, Los 796 (als Augsburger Meister um 1500). - Europäische Privatsammlung. - Auktion Koller, Zürich, 22.3.2013, Los 3005. Literatur: - Journal der Fürstlich Hohenzollernschen Sammlungen, 1896, S. 401. - Kurzes Verzeichnis der im Staedelschen Kunstinstitut ausge- stellten Sigmaringer Sammlungen, Frankfurt amMain 1928, S. 13, Nr. 69 und 70. - Weltkunst, Jg. 31, 19a, 10.10.1961, S. 22 (mit Abb.). Ausstellung: Frankfurt 1928, Sigmaringer Sammlungen, Staedelsches Kunstin- stitut, Frankfurt, Nr. 69 und 70. Bei den hier angebotenen Tafeln handelt es sich um die Aussen- ansichten zweier Flügel eines ehemaligen Retabels. Die Innen- ansichten, die auf Goldgrund gemalt wurden, befanden sich laut Gutachten von Alfred Stange 1967 in englischem Privatbesitz (heutiger Verbleib unbekannt) und stellen die Heilige Katharina auf dem linken Flügel und den Heiligen Lazarus mit einem Schwert auf dem rechten Flügel dar. Auf diesen Innenseiten findet sich jeweils ein Teil der Datierung 1497. Die Mitteltafel oder der Schrein des Altars sind nicht bekannt. Die Tafeln waren wohl doppelseitig bemalt und wurden demnach zu einem unbekannten Zeitpunkt abgetrennt. Tatsächlich sind die Tafeln imArchiv der Fürstlich Ho- henzollerischen Sammlungen noch als doppelseitig aufgeführt, doch in der Auktion von Lempertz 1967 wurden ausschliesslich die Aussenseiten verkauft. Dr. Konrad weist darauf hin, dass die ehemalige Zuschreibung unserer Tafeln an einen Nürnberger Meister, wie sie in der Hohenzollerischen Sammlungen und bei Stange 1967 vermerkt wurden, aus heutiger Sicht keinen Halt mehr hat. Vergleiche mit einer stilistisch verwandten Predella mit den Büsten der Heiligen Digna, Eutropia und Hilaria für die Kirche St. Ulrich und Afra in Augsburg sowie mit zwei imZweiten Weltkrieg zerstörten (ehemals Germanisches Nationalmuseum Nürnberg) Flügeln eines Altars mit den Figuren der Heiligen Scho- lastika und Benediktus aus der Elisabethkapelle des Kausheimer Hofes in Augsburg deuten auf eine Entstehung unserer Tafeln imAugsburger Raum hin. Insbesondere weist die Ausführung der Predella gewisse Übereinstimmungen in der Formgebung der Köpfe und der Faltengebung der Kopfschleier auf und könnte wohl von der gleichen Hand stammen. Infrarotaufnahmen der Predella, wie auch der hier angebotenen Tafeln haben interessan- te Unterzeichnungen, die von einem routinierten Maler zeugen, sichtbar gemacht. So sind die Augen, der Mund, die Nase und das Kinn der Heiligen Afra und Maria lediglich durch Kreise und Striche angedeutet. Bei der Augsburger Predella sind die vorgezeichneten Linien sogar vollends von der gemalten Ausführung losgelöst. Für eine Zuschreibung an einen Augsburger Meister sprechen zudem zahlreiche weitere vergleichbare Darstellungen der Heiligen Afra im 15. und frühen 16. Jahrhundert, einer der Hauptheiligen der Stadt (siehe beispielsweise Martha Schad: Afra. Bilder einer Heili- gen, Augsburg 1993). CHF 30 000 / 50 000 (€ 31 250 / 52 080)
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