Sammlung Dr. med. Sylvia Legrain Lot 1801–1932
| 28 Sammlung Frau Dr. med. Sylvia Legrain 1818 HORAE B. M. V. - Stundenbuch. Lateinische Handschrift auf geglättetem Perga- ment. Mit 17 grossen Miniaturen in Farben und Gold mit reicher figürl. und floraler Bordüre, 17 5-zeilige Prachtinitialen, sowie zahlreiche 2-zeilige Initialen in Gold und Farben. Flandern(?), um 1460. 19,5 × 14 cm. [1] w., [144], [1] w. Bll. 17 Zeilen schwarz- braune Textura auf roten Linien. Schriftspiegel 10 × 6,5 cm. Rest. blindgepr. Leder-Einband unter Verwendung des Original-Bezugs auf Holzdeckeln über 4 Bünden mit Streicheisenverzierungen, 2 neuere vergoldete Messing-Schliessen, Goldschnitt (ob. Kapital- bändchen gelockert, Rücken und Kanten berieben, etwas bestos- sen, kl. Fehlstellen im Bezug sowie wenige kleine Wurmlöchlein). Das bemerkenswerte und reichhaltig illustrierte Stundenbuch dürfte für eine franziskanische Auftraggeberschaft oder zumin- dest für einen mit diesemOrden verbundenen Auftraggeber geschaffen worden sein. Dies erklärt die Aufnahme der Stun- dengebete zu Ehren des franziskanischen Ordensgründers und Antonius von Padua unter die imGebetsbuch besonders verehr- ten und eigens mit Gebeten bedachten Heiligen, gleich wie mit dem gross angelegten Passionszyklus der auf die Imitatio Christi ausgerichteten Spiritualität der Franziskaner bildlich Rechnung getragen wurde. Wenngleich die gemalten Bildräume und Szenerien ansprechend konzipiert sind und auch die Randbordüren durchaus luxuriös ausgestattet sind, so ist der Malstil des unbekannten Miniaturis- ten noch graphisch ausgerichtet und gegenüber der damaligen Buchmalerelite wenig progressiv und etwas zurückgeblieben. Das auch schon der nordfranzösischen Buchmalerei zugewie- sene Stundenbuch lässt, gerade was die graphische Ausrichtung der Malereien angeht, alternativ an eine Herkunft aus Flandern, womöglich Brügge denken. Der Stil und das Verständnis der Landschaftsszenerien erinnert an die Bildminiaturen des auf 1454 datierten Magdalenen Missale aus der Magdalenenkirche in Brüg- ge (Brügge Grootseminarie ms 48/3), wo ein ähnlich konzipierter Figurenstil und vergleichbare Randbordüren erkennbar sind. Eine Datierung zwischen 1460 und 1465 scheint denkbar. (Prof. emer. Dr. Gaudenz Freuler, Universität Zürich) Die Miniaturen zeigen: 1. Christus am Kreuz vor felsiger Land- schaft, mit 8 kleinformatigeren Darstellungen aus der Passion. - 2. Ausgiessung des hl. Geistes. Maria und die Jünger in einer Säulen- halle. - 3. Maria mit Jesuskind auf einemThronsessel, von Engel umgeben. - 4. Maria und Anna, vor Gebäuden stehen. - 5. Geburt Christi. - 6. Der Engel erscheint den Hirsten auf der Weide. - 7. Anbetung der hl. drei Könige vor dem Stall in felsiger Landschaft. - 8. Darbringung imTempel. - 9. Kindermord zu Bethlehem. - 10. Flucht nach Ägypten. - 11. Auferstehung der Toten. - 12. Erwe- ckung des Lazarus. - 13. Christus erscheint dem Priester. - 14. Christus erscheint dem hl. Franziskus. - 15. Der hl. Antonius von Padua lesend in einemGebäude. - 16. Christophorus trägt das Jesuskind über das Wasser. - 17. Der hl. Sebastian von Pfeilen durchbohrt. Innengelenke angeplatzt. In den Rändern etwas gebräunt (Minia- turblätter etwas stärker) und fingerfleckig, teils an der unteren Ecke etwas abgegriffen. Einige Blatt alt ergänzt. DieMiniaturen stellen- weise schwach berieben (teilsmit leichtemFarbverlust). Insgesamt in sehr guter Erhaltung bis auf die Doppelseitemit demPassionszy- klus, diese etwas stärker berieben, mit rest. Einriss (ca. 3 cm, in die Darstellung), vergleichsweise etwas ungünstiger erhalten. Provenienz: Dr. Ernst Hauswedell, Auktion 181, 25.–26. Novem- ber 1971, Los 1008 - Schweizer Privatbesitz - Koller Auktionen, Auktion 188, 26. März 2019, Los 521. CHF 30 000 / 50 000 (€ 31 250 / 52 080)
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