Sammlung Dr. med. Sylvia Legrain Lot 1801–1932
| 44 Sammlung Frau Dr. med. Sylvia Legrain 1831 HORAE B. M. V. - Stundenbuch. Lateinische Handschrift auf Pergament. Mit 6 blattgrossen Miniaturen mit dreiseitiger floraler Bordüre, sowie durchgängig mit farbigen und goldgehöhten Initialen und Zier- leisten. Frankreich (Paris?), ca. 1420-30. 19,7 × 14 cm. [144] Bll. Schriftspiegel 9,5 × 6,5 cm. 15 Zeilen Textura. Rest. blindgeprägter Leder-Einband unter Verwendung des alten Bezuges mit reicher Rollband-Ornamentik und Streicheisen-Verzierungen, Gold- schnitt (Kapitale etwas lädiert, leicht berieben und bestossen, stellenweise kl. Wurmlöchlein). Das hier angebotene Gebetsbuch in frisch erhaltener sauberer Schrift enthält sechs grosse Bildminiaturen mit der Darstellung der Anbetung der Drei Könige, der Darbringung imTempel, der Flucht nach Ägypten, des Gnadenstuhls, Davids und des Re- quiems. Die oben von einem gezackten Rundbogen abgeschlos- senen Bildminiaturen und ihre dazugehörigen von einer orna- mentalen grossen Initiale eingeleiteten Texte sind von goldenen Bordürenstäben umrahmt, die rechts zuweilen geometrische, geknotete Konfigurationen ausbilden, die aber auch isoliert in der Bordüre aus Blüten und Dornblattranken erscheinen. Umrahmt wird die Seite von einer lockeren Bordüre aus goldenemDorn- blatt und bunten Blüten in meist roter und blauer Farbe. Der Stil des leicht provinziell anmutenden Buchmalers, der die Vorgaben der berühmteren Meister seines Fachs aber gefällig, jedoch mit zeichnerischen Defiziten umsetzte, führt uns in die spätgotische französische Buchmalerei zu Beginn des zweiten Viertels des 15. Jahrhunderts. Seine Bilder zeichnen sich durch einen frischen und etwas knappen Erzählstil aus, dem jedoch eine leicht naive Note nicht abgesprochen werden kann. Die Herkunft des insgesamt charmanten Stundebuchs ist unbekannt. Einige der im Kalender aufgeführten Heiligen, so S. Eutrope, S. Gengoul, S. Antide und S. Legier, die imGebiet östlich von Paris im Einzugsgebiet Elsass/ Lothringen und Burgund besonders verehrt wurden, könnten auf eine mögliche Herkunft aus demOsten Frankreichs hindeuten. Im Übrigen scheint der Buchmaler sich aber an der Pariser Buchma- lertradition zu orientieren. - Mit grosszügiger, breitrandiger Marge. - Vorderes Innengelenk leicht angeplatzt. In den Rändern leicht gebräunt, erste Blatt schwach abgegriffen, nur gelegentlich leich- te Tintenverwischungen. Insgesamt sehr saubere und gut lesbare Handschrift. Provenienz: - Auf Vorsatz gedrucktes Exlibris des australischen Pathologen John Orde Poynton (1906-2001) - Handschriftliche spanische Annotation zur Buchbinder-Arbeit „Encuadernacion tipica de Paris, en los primeros lustros del siglo XVI. v. Goldschmidt no 48“ - Privatsammlung Schweiz - Koller Auktionen, Auktion 200, 30. März 2022, Los 501. CHF 20 000 / 30 000 (€ 20 830 / 31 250)
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