Sammlung Dr. med. Sylvia Legrain Lot 1801–1932

| 58 Sammlung Frau Dr. med. Sylvia Legrain 1846 JAN GOSSAERT genannt MABUSE, Umkreis (Maubeuge 1478–1532 Antwerpen) Maria mit Kind vor einer Landschaft. Öl auf Holz. 93,5 × 57,5 cm. Provenienz: - Auktion Rudolph Lepke, Berlin, 10.5.1921, Los 150 (als Jan Gossaert). - Sammlung Han Coray und Dorrie Stoop, Zürich / Erlenbach. - Auktion Fischer, Luzern, 29.7.1925, Los 44 (als alte Wiederho- lung nach Jan Gossaert). - Schweizer Privatbesitz. - Auktion Stuker, Bern, 20.–22.5.2015, Los 2011 (als Jan Gossaert Umkreis). In ihrer grundlegenden Publikation zumWerk Jan Gossaerts weist Maryan W. Ainsworth darauf hin, dass die hier dargestellte, mehr- fach wiederholte Komposition auf ein kleinformatiges, um 1520 entstandenes Werk von Jan Gossaert zurückgeführt werden kann (Mauritshuis, Den Haag, Inv-Nr. 830, siehe Maryan W. Ainsworth u. a.: Man, Myth, and Sensual Pleasures: Jan Gossart‘s Renaissance. The Complete Works, New York 2010, S. 154–157). Das aus altem Schweizer Familienbesitz stammende, sehr quali- tätsvolle, fein und detailreich geschaffene Gemälde unterscheidet sich von der Tafel imMauritshuis allerdings in mancher Hinsicht. So sind etwa die Beinchen des Kindes übereinandergeschlagen, das Gewand der Madonna schmückt ein kostbar bestickter Kra- gen und um ihre Schultern drappiert sind ein purpurroter Umhang. Während Madonna und Kind des Mauritshuis sich vor einem neutralen dunklen Grund präsentieren, nimmt der Hintergrund auf unserer Darstellung einen wesentlich bedeutenden Platz ein. Auf der rechten Seite verweisen eine Marmorsäule und ein ange- deuteter Bogeneingang auf einen palastartigen Bau, links gibt ein Fenster den Blick auf eine Landschaft mit der Darstellung der Flucht nach Ägypten frei. Gossaert lebte bis 1508 in Antwerpen und unter seinen Lehrlin- gen fand sich Jan van Dornicke, der seinerseits vermutlich einer der Lehrer von Pieter Coecke van Aelst (1502–1550) war. Die Arbeiten dieser beiden Künstler, wie auch jene Paul van Aelst, des Sohnes Pieter Coeckes, lassen eine intensive Auseinander- setzung mit demWerk Gossaerts vermuten. Bereits Karel van Mander hatte in seinem 1604 erschienenen „Schilder-Boeck“ Paul van Aelst als einen begabten Kopisten der Werke Jan Gossaerts bezeichnet. Maryan Ainsworth hält es denn auch für wahrschein- lich, dass die vorliegende Komposition – und mit ihr eine Reihe weiterer bekannter Versionen – von Künstlern einer Antwerpener Werkstatt, möglicherweise um Pieter Coecke van Aelst (1502– 1550) stammen, die nach Gossaerts Tod den Ruhm des Meisters aufgriffen und dessen Schöpfungen vielfältig variierten. CHF 25 000 / 35 000 (€ 26 040 / 36 460)

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