Table of Contents Table of Contents
Previous Page  12 / 139 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 12 / 139 Next Page
Page Background

| 12

Impressionismus & Klassische Moderne

3215 MAURICE UTRILLO

(Paris 1883 - 1955 Dax)

Maisons roses. 1912-14.

Öl auf Karton, parkettiert.

Unten rechts signiert: Maurice. Utrillo.

48 x 63 cm.

Provenienz:

- Sammlung Scherz-Meister, Bern.

- Privatsammlung Bern, durch Erbschaft

an den heutigen Eigentümer.

Ausstellungen:

- Bern 1949, Maurice Utrillo, Kunsthalle

Bern, 4. Juni - 17. Juli 1949, Nr. 55 (mit

Farbabb.).

- Vevey 1955, Utrillo, Valadon, Modigliani,

Utter, Musée Jenisch, 2. Juli - 30. Sep-

tember 1955, Nr. 26.

- Paris 1959, Cent tableaux par Utrillo,

Galerie Charpentier, Nr. 61 (verso mit

Etikett).

- Genf 1961, Maurice Utrillo, Musée de

l'Athenée, 20. Juli - 12. September 1961,

Nr. 12 (mit Abb.; verso mit Etikett).

- Bern 1963, Maurice Utrillo, Kunstmuse-

um Bern, 19. Januar - 17. März 1963, Nr.

51 (mit Abb.; verso mit Etikett).

Literatur:

- Fabris, Jean/Pailler, Cédric: L'oeuvre

complet de Maurice Utrillo, Paris 2009,

Nr. 288 (mit Abb.).

- Jardin des Arts, Perruchot, Henri (Hrsg.),

Tallandier, Mai 1969, S. 33 (mit Abb.).

- Arti Grafiche Ricordi, 400 copolavori

d'arte del mondo, Verlag Beatrice d'Este,

Mailand 1965, Nr. 669 (mit Farbabb.).

- Pètridès, Paul: L'oeuvre complet de

Maurice Utrillo, Paris 1962, Bd. II, Nr. 482.

(mit Abb.).

- Courthion, Pierre: Utrillo, Verlag Scherz

Kunstbücher, Bern 1947, Tafel 18 (mit

Farbabb.).

Das Schaffen Utrillos in den Jahren 1912

bis 1914 wird als „période blanche“, seine

berühmte "Weisse Periode", bezeichnet.

Sie ist charakterisiert durch das weisse

Impasto, mit einemMesser aufgetragen,

manchmal mit Gips gemischt, die der

Maler auf demMontmartre auffindet.

Auch sind in diesen Werken noch neoim-

pressionistische Einflüsse sichtbar. Gern

setzt Utrillo zum Beispiel das Laubwerk

der Bäume in vielen wild gesetzten kleinen

Strichen über die Bildkomposition, wie dies

hier der Fall ist.

Strassenszenen, Häuserschluchten,

Strassenzüge, Gassen und Plätze sind das

wichtigste Thema für Maurice Utrillo. Es

gelingt ihm sein Viertel auf virtuose Weise

einzufangen, was wohl nicht nur an seinem

künstlerischen Talent liegt, sondern auch

daran, dass er selbst ein Kind des Mont-

martre ist. Viele andere bedeutende

Künstler zieht es erst als Erwachsene

hierher, Utrillo hingegen hat schon seine

Jugendjahre zwischen den Strassen-

schluchten verbracht, die er in seinen

gefühlvollen Bildern einfängt. Die kleinen

Häuschen und Holzbaracken dieser Ge-

gend sind seine Welt.

Auch wenn die Palette der „weissen Phase“

noch nicht stark koloriert ist, sondern

vorwiegend die verschiedenenWeiss- und

Grautöne des Gipses vorherrschend sind,

setzt er in einigen Gemälden doch bereits

gezielte Akzente ein, wie bei den berühm-

ten rosaroten Häuserfassaden, von denen

diejenige des „Maison rose“ an der Rue de

l’Abreuvoir, zu weltweiter Berühmtheit ge-

langte und eine Touristen-Attraktion wurde.

Die Farbe Rosa bedeutete für Utrillo „süsse

Liebe“, wie er es in einemGedicht zu den

Farben formuliert:

„Wenn das Blau göttlich ist, der Feind des

Schlechten

Ist Gelb die Eifersucht, oft geckenhaft und

banal.

Ist Rot höllisch, lebendig, sogar blutdürstig,

Ist Grün die Hoffnung und Rosa die süsse

Liebe.“ (Zit. aus: Pierre Courthion, Utrillo,

Scherz Kunstbücher, Bern 1949, S. 14)

Das vorliegende Werk ist ein herausragen-

des Beispiel dieser bedeutenden Weissen

Periode. Es ist sehr gut dokumentiert.

Seit sehr langer Zeit in derselben Familie,

wurde es oft in der Literatur publiziert und

war in der Schweiz und in Paris an einigen,

wichtigen Ausstellungen zu Utrillo zu

sehen.

CHF 70 000 / 90 000

(€ 62 500 / 80 360)