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Impressionismus & Klassische Moderne
3253 FERNAND LÉGER(Argentan 1881 - 1955 Gif-sur-Yvette)
Nature morte au parapluie et au chapeau
melon. 1926.
Gouache auf Papier.
Unten rechts monogrammiert und datiert:
F.L.26.
38,4 x 28,4 cm.
Die Authentizität des Werks wurde von
Irus Hansma bestätigt, Muri b. Bern, 23.
August 2017. Es wird in das von ihr vorbe-
reitete Werkverzeichnis der Papierarbeiten
von Fernand Léger aufgenommen.
Provenienz:
- (wohl) Léonce Rosenberg, Paris.
- Galerie Simon, Paris (verso Rückstände
der Etikette).
- Privatbesitz St. Gallen, vor ca. 40 Jahren
durch Erbschaft erhalten.
Anfang des 20. Jh. gehören Melone und
Schirmwesentlich zur Bekleidung des
Mannes. Léger zeigt uns diese alltäglichen
Begleiter des mittelständigen Arbeiters in
diesem schönen Stillleben. Der Hut ruht
auf einem Stuhl, der Schirm in einem Stän-
der. Die Objekte sind von einander isoliert
und nur durch Farbgebung und Raumge-
staltung verbunden. Fernand Léger begibt
sich Anfang bis Mitte der 20er Jahre in die
Nähe des Purismus. Er zeigt Gegenstände
des alltäglichen Gebrauchs – Dinge mit
einem bestimmten sozialen Wert – mit
akribischer Schärfe, ausserhalb von Raum
und Atmosphäre und losgelöst von ihrem
Gebrauch.
Das ins Zentrum Rücken des Objekts ist
eine direkte Folge der Auseinandersetzung
Légers mit demMedium des Films und
dessen neuen technischen Möglichkeiten.
1924 schafft er zusammen mit Dudley
Murphy, George Antheil und Man Ray den
bedeutenden Kurzfilm „Ballet mecanique“,
der einer künstlerischen Revolution
gleichkommt und für viel Aufsehen sorgt.
Dieser ist dadaistisch und surrealistisch
geprägt, es gibt explizit kein Drehbuch, wie
dies zu Beginn in einem Einleitungstext
erklärt wird: „Le Ballet Mécanique a été
composé par le peintre Fernand Léger en
1924. C’est le premier film sans scénario.“
Zu Beginn des Films wird eine kubistisch
gestaltete Figur mit Stock und Melone
gezeigt mit dem Schriftzug „Charlot pré-
sente le Ballet Mécanique“. Charlot ist die
französische Bezeichnung der amerikani-
schen Sozialfigur Tramp, der sich Charlie
Chaplin bedient.
In dem Filmwerden losgelöst verschie-
dene Bewegungsabläufe von Figuren,
Objekten und Maschinen in ungewöhnli-
chen Perspektiven durch viele Wiederho-
lungen gezeigt. Dabei werden die einzel-
nen Objekte bewusst in ungewöhnlichen
Ausschnitten dargestellt.
In einer Vorlesung, die Léger 1925 an der
Sorbonne hält, erklärt er: „1923-24 schuf
ich Gemälde, deren wichtige Elemente
Gegenstände waren, ausserhalb jeder Art
von Atmosphäre und ohne Normalitätsbe-
zug, Objekte, welche vom Subjekt, das ich
aufgegeben habe, isoliert sind. Das Sub-
jekt imGemälde wurde bereits zerstört,
genauso wie der Avant-Garde Film das
Drehbuch zerstörte. So dachte ich, dass
das Objekt, welches vernachlässigt und
wenig ausgeschöpft wurde, der Ersatz für
das Subjekt ist. (Übersetzt nach zit. in Cas-
sou/Leymarie, Fernand Léger Drawings
and Gouaches, New York 1973, S. 87).
„In den Jahren 1926 und 1927 ist es
Légers Hauptanliegen, das Objekt jedem
Zwang zu entziehen, aus seiner gewohn-
ten Stellung imZentrum, aus der mo-
nolithischen Darstellung herauszulösen,
es schliesslich vollkommen zu befreien.
(…) Diese Platzierung des Gegenstandes
ist, wenn sie auch auf den ersten Blick
willkürlich erscheinen mag, genauestens
austariert und ausgearbeitet. (…) Lé-
ger hat damit wie er es ausdrückte "die
Kaffekanne auf den Kopf gestellt", und
zwar vollständig. Er entfernt den Tisch,
den Braque und Picasso noch beibehalten
haben" und nimmt den Gegenstand aus
seiner "konzentrischen Situation heraus,
um ihn in eine zentrifugale Lage in den
Raum zu bringen".“ (Georges Bauquier, in:
Schmalenbach/Moeller, Fernand Leger,
Kunsthalle München, 1988/89, zu Nr. 22).
Es gibt von diesem Sujet auch eine Blei-
stiftstudie von 1925 (Cassou/Leymarie
1973, Nr. 124, S. 92) und ein Gemälde
(Bauquier Bd. III 1993, Nr. 462, S. 122), das
wie die Gouache 1926 datiert ist, und wel-
ches bei Léonce Rosenberg und bei Heinz
Berggruen war, danach in den A. Conger
Goodyear Fund kam und schliesslich 1959
zumMuseum of Modern Art New York
ging, wo es sich noch heute befindet.
CHF 80 000 / 120 000
(€ 71 430 / 107 140)




