Bücher & Autographen Mittwoch 29 März 2023, 13.30 Uhr

| 118 Bücher | Alte Drucke & Bibeln 372 INKUNABELN - Isidorus Hispalensis. Synonyma de homine et ratione, seu Soliloquia. Mit 18-zeiliger Zierinitiale „J“ in Rot mit blauem Federwerk, 27 (3 dreizeiligen und vielen kleineren) Lombarden in Rot und Blau mit blauem und roten Federwerk sowie Rubrizierung und Kapitalstrichelung. Nürnberg, Jo- hann Sensenschmidt, um 1470/72. Folio. [18] Bll. 37 Zeilen. Got. Typ. Moderner geglätteter Maroquinband mit reicher Blindfileten- und Rosettenstem - pel-Prägung im Stil d. Z. (nur minimale Kratzspuren). GW 15287 - Hain/C. 9294 - Goff I-204 - Proctor 1958 - Pellechet 6395 - BMC II, 404 - BSB-Ink I-641 - Madsen 2118 - ISTC ii00204000. - Extrem seltene erste Ausgabe der Soliloquia des Isidor von Sevilla (um 560-636). Bis zum Jahr 1500 wurden von diesemWerk nur 3 weitere Ausgaben gedruckt (Brandis, Merseburg, 1479; Gensberg, Rom, 1474; Albi 1474-80). Das Werk besticht durch seine ausserordentliche Druckqualität; es enthält die früheste Type des Nürnberger Erstdruckers: „...eines der frühesten Druckerzeugnisse des Nürnberger Prototypographen mit seiner schönen frühesten Type gedruckt.“ (Baer, J., Wolff Collection, 604). - Darüber hinaus handelt es sich um das erste gedruckte Buch mit einemVermerk zum Büchersammeln und mit einer sehr interessanten Kritik an den Buchsammlern und Bibliophilen, die sich mit schönen Büchern zwar schmücken, sie aber nicht inhaltlich erfassen, weil sie sie gar nicht lesen. Isidor schreibt (letzte S. ab Zeile 5): „Es gibt einige, vielleicht sogar viele Geistliche, welche viele hübsche Bücher und auch prachtvoll gebundene besitzen wollen, sie aber so in ihren Bücherschränken einschliessen, dass sie sie weder selber lesen noch anderen zu lesen geben. Sie haben keine Ahnung, dass es sinnlos ist, Bücher zu besitzen und sie wegen all ihrer täglichen Beschäftigungen (propter impedimenta mundi) nicht zu lesen. Denn wenn ein fein gebundenes, schönes Buch nicht gelesen wird, dann nützt es der Erhebung des Geistes überhaupt nichts (non facit mundam animam). Jenes Buch aber, das gleich gelesen wird, kann zwar vom vielen Durchblättern (saepe revoltus) äusserliche Schönheit einbüssen, es erhebt und verschönert aber die Seele (pulchram animam).“- Gut erhaltenes, breitrandiges Exemplar. Partiell leichte Bräunungen und Wasserflecken in den Rändern, teils mit leichten Sporenflecken, hierdurch kleine restaurierte Papierläsuren durch Feuchtigkeit im ob. Rand (Hinterlegungen und Sicherung mit Japanpa - pier). Satzspiegel jedoch durchgängig sauber und frisch. Letzte Bll. mit kleinen Wurmlöchlein im oberen Rand. - Provenienz: Exlibris H. Legel. CHF 20 000 / 30 000 (€ 20 000 / 30 000)

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