Bücher & Autographen Mittwoch 29 März 2023, 13.30 Uhr
| 119 373 - Nider, Johannes. Manuale confessorum. [Basel, Michael Wenssler, nicht nach 1474]. Folio (29 × 21,5 cm). [52] Bll. Got. Type. 34 Zeilen. - ANGEBUNDEN: Ders. De morali lepra. [Basel, Michael Wenssler, nicht nach 1475]. [68] Bll. Roter Maroquinband des 18. Jahrhunderts mit 2 grünen Rückenschildern, reicher Rücken- vergoldung, goldgepr. Deckelfileten, Steh- u. Innenkantenvergoldung, dreiseit. Goldschnitt und marmor. Vorsatzpapieren (gering berieben, Ecken leicht bestossen). I. GWM26875 - Hain/C. 11838 - BMC III, 722 - Goff N 180 - Van der Haegen 4.15. - Frühe Basler Ausgabe, schöner Druck mit Initial- spatien. In vielen Handschriften und Drucken verbreitete Anweisung über die bei der Beichte zu beachtenden Vorschriften. Der um 1380 im schwäbischen Isny geborene Dominikaner war Generalvikar der oberdeutschen Provinz, später Professor in Wien. „Als gelehrter Theologe, mitreissender Prediger und engagierter Ver- fechter einer Ordens- und Klerusreform genoss N. bei seinen Zeitgenossen hohes Ansehen“ (NDB XIX, 211). - Erstes Bl. leicht fleckig u. mit kl. Reparatur imweissen Rand. - II. GWM2686 - Hain/C.0 11816 - BMC III, 721 - Goff N 190 - Van der Haegen 4.14. - Frühe Ausgabe, ebenso gedruckt wie das „Manuale“. Eine Auslegung der Zehn Gebote, gleichzeitig ein Abriss der menschlichen Laster, daran anschliessend eine kurze Darstellung der kirchlichen Lehre von der Ehe. - Beide Werke in den Rändern gering fleckig. - Provenienz: Gest. Wappenexlibris Francis Frederick Fox. CHF 5 000 / 8 000 (€ 5 000 / 8 000) 374 - Petrarca, Francesco. Secretum. BEIGEBUN- DEN: Pseudo-Petrarca. De vita solitaria. 2 Teile in 1 Band. Mit 114 rot eingemalten, 3- bis 4-zeiligen Initialen, durchgehend rot rubriziert. [Strassburg, Drucker mit dem bizarren R (Adolf Rusch), nicht nach 1473]. Folio. [53] (a8, b8+1, c10, d-e8, f10), [89] Bll. (a-b10, c-d8, e-f10, g10+1, h-i8, k6). 34 Zeilen, roman. Type. Moder- ner Lederband auf 5 Bünden mit geometrischer und ornamentaler Blindprägung im Stil d. Z., in gefütterter Leinwandkassette (29 × 23 × 5,5 cm) mit goldgepr. Rückenschild. I.: GWM31627 - Hain/C. 12800 - Goff P 412 - IGI 7580 - BMC I, 61 - Hortis, 173f. - ISTC ip00412000 - Slg. Speck 141. - II.: GWM31765 - Hain/C. 12796 - Goff P 417 - IGI 7586 - BMC I, 61 - ISTC ip00417000 - Slg. Speck 82. - Zwei Erstdrucke Petrarcas in einem Band. - „Die nicht firmierte, aber erste Ausgabe von Petrarcas De Vita Solitaria stammt aus der Presse des Adolf Rusch, der wegen einer für ihn eigentüm- lichen R-Majuskel auch als R-Drucker bekannt ist. Er stammte aus Ingweiler. Er heiratete die Tochter des Druckers Johann Mentelin, dessen Werkstatt er übernahm. Die Ausgabe ist oft mit der des Secretum aus derselben Offizin zusammengebunden und wird von Hortis auch als eine Einheit aufgefasst“ (Kat. Speck). - Petrarcas Epoche machendes Werk ist zugleich eine ernsthafte Selbstbefragung, die der Verfasser zeitlebens geheim hielt, es wurde auch erst posthum veröffentlicht. In einem fiktiven Gespräch zwischen dem Kirchenvater Augustinus und „Franciscus“, einem stilisierten alter ego Petrarcas, geht es um den tastenden Entwurf einer frühneuzeitlichen Subjektphiloso- phie. Das menschliche Individuum sei aus den einschränkenden Banden mittelalterlich-theo- logischen Denkens zu befreien. Eines der Hauptmotive für den von Petrarca begründeten Renaissance-Humanismus. Im beigebundenen Werk rechtfertigt Petrarca die Einsamkeit mit Kontemplation, die er mit Ciceros Begriff des philosophischen „otium“, der Musse, mischt. Seine Vorstellung eines glücklichen Lebens besteht aus der meditativen Abgeschiedenheit in Frieden auf dem Land, zurückgezogen für das Studium von Literatur und Religion, fernab vom urbanen, „aktiven Leben“. - Vereinzelte Blatt schwach stockfleckig und angestaubt (erstes und letztes stärker). Sehr sorgfältig gereingtes, ungewöhnlich breitrandiges Exemplar. 2 Blatt mit kl. Randeinriss (1 fachmännisch restauriert). Die letzten Blatt mit kl. Wurmlöchlein imweissen Rand (kaum störend, ohne Textverlust). - 2 Blatt mit Marginalien von alter Hand. Wenige Farbver- wischungen der Initialen, Secretum ohne das erste weisse Blatt, letztes Bl. von De vita solitaria imOberrand mit kleinem Farbdurchbruch. - Exlibris auf Spiegel „LA“ (Baum des Lebens mit Schlange, griechischer Inschrift: „KAI PONIRON TO XYLON TOU GINOSKEIN KALON“). CHF 18 000 / 25 000 (€ 18 000 / 25 000) 373 374
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