Bücher Mittwoch, 20. März 2024, 14.00 Uhr

| 81 508 - Birago, Giovanni Pietro Einzelblatt aus einem Psalter-Antiphonar. Handschrift auf Pergament, beidseitig beschrieben. Mit grosser figürlicher Initiale D: Ekstatisch betender Olivetaner Mönch in Deckfarbenmalerei mit breiter Blattwerkbor- düre vor ornamentiertemGoldgrund, ferner rote und blaue Initialen mit zusammen fast seitenhohen Rankwerksausläufern. [Mailand, um 1480]. 57 × 43 cm, Schriftspiegel 42 × 33 cm, Initiale ohne Ausläufer 10,7 × 10,5 cm. Die Initiale D leitet Psalm 59 (60) ein: Deus repu- listi nos et destruxisti nos iratus es et misertus es nobis (OGott, du hast uns verworfen, du hast uns zerstreut, du bist zornig gewesen; stelle uns wieder her). Im Inneren erscheint die Büste des in ein Olivetaner-Habit gekleideten Mönches, dessen Augen sich inbrünstig erheben. Dieser Bildtypus entspricht der einfacheren Initiale Cutting 278.5 imVictoria and Albert Museum. Beide Blätter gehören zu zu einer Gruppe, die offensichtlich demselben Manuskript ent - stammt und dem lombardischen Buchmaler Giovanni Pietro Birago zugewiesen wird. Weitere dieser Blätter befinden sich u.a. in der Graphi - schen Sammlung München, einige tragen das Symbol der Olivetaner Brüder (vgl. Bauer-Eber- hardt, Die Italienischen Miniaturen des 13—16. Jahrhunderts, München 1984, S. 47-52). Birago hatte bereits 1471-74 Chorbücher für den Dom zu Brescia mit stringenten Parallelen zumOlivetaner Antiphonar illuminiert (vgl. Perer-Marubbi, Tesori miniati [...] di Bergamo e Brescia, Mailand 1995, S.162-166). Birago stand zunächst unter dem Einfluss des Buchmalerkol - lektivs um die berühmten Bibelbände des Borso d‘ Este, später auch Mantegnas, was am vor- liegenden Antlitz deutlich wird. Biragos weitere Aktivität amHof der Sforza (während Leonardo da Vincis Anwesenheit) wird seine Buchkunst zu einer der besten der lombardischen Renais- sance machen (Stundenbuch für Bona Sforza; British Library, Ms. Add 45722). - Etwas vergilbt und angestaubt, Unterrand zur Plica einge- schlagen, 2 feine Knickspuren sowie minimale Bereibungen und Farbabplatzungen in der Initialminiatur. - Provenienz: Bis 2015 deutscher, dann Schweizer Privatbesitz. CHF 5 000 / 8 000 (€ 5 260 / 8 420) 509* - Anonymer toskanischer Buchmaler. Initiale „V“ mit figürlicher Malerei in Gold und Farben. Blatt aus einemAntiphonar mit der Bildinitiale Vmit Darstellung der Himmelfahrt Christi und dreiseitiger floraler und figüricher Randleiste. Aquarell, Gouache, Feder und Goldhöhung mit lateinischer Handschrift auf Pergament, doppel- seitig beschrieben. Toskana, wahrscheinlich Pisa, letztes Viertel des 14. Jahrhunderts. Initiale 13,3 x 11,5 cm; Blattgrösse 45 × 32,3 cm. Rote und schwarzbraune Tinte, Quadratnoten jeweils auf 4 roten Linien. Beginn des Responsoriums „Viri Galilaei, quid admiramini aspicientes in caelum?“ (Apostelge - schichte Kapitel 1, Vers 11). - Etwas gebräunt, in den Rändern auch stockfleckig, kl. Fehlstelle im weissen Seitenrand. CHF 2 500 / 4 000 (€ 2 630 / 4 210) 509 508

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