Bücher Mittwoch, 20. März 2024, 14.00 Uhr
| 82 Bücher | Buchmalerei 510 ANTIPHONARIUM - Werkstatt des Meisters des Antiphonars Q von San Giorgio Maggiore in Venedig (?). Franziskanisches Hymnar. Lateini - sche Handschrift auf Pergament. Mit 7 grossen, 5- bis 7-zeiligen floralen Prachtinitialen (davon 1 figürlich) in Gold und Farbe, sowie 2 4-zeiligen farbigen Initialen in Federzeichnung. Veneto (Verona?), ca. 1460. Folio (41 × 29 cm). [128] Bll. 23 Zeilen. Schwarzbraune Textura mit zahlr. roten und blauen Initialen. Schriftspiegel 25 × 17 cm; Blattgrösse 38 × 27,5 cm. Späterer Wild- leder-Einband auf Holzdeckeln über 5 Bünden mit 2 spät. Leder-Schliessen (1 fragmentarisch erhalten; unt. Kapital angerissen, stark berieben, kl. Fehlstellen im Bezug, etwas bestossen, VDe- ckel leicht verzogen). Vorliegendes Manuskript, ein Hymnar für den franziskanischen Gebrauch, dürfte im Einzugs- gebiet des Veneto, wahrscheinlich Verona, entstanden sein. Seine franziskanische Herkunft ergibt sich aus den Hymnen zu den franzis- kanischen Festtagen, zu Ehren des heiligen Franziskus, zu Ehren seiner Stigmatisierung, zu Antonius von Padua und Sankt Klara, die im letzten Teil des Hymnars figurieren. Das von erfahrener und sicherer Hand geschriebene Manuskript birgt fünf prachtvoll illuminierte Initialen mit floralem Schmuck. Besonders reich ausgestattet ist das Frontispiz dessen Initiale B in ihrer unteren Ranke noch zusätzlich ein fron- tales Männergesicht birgt. Der Reichtum der in satten Farben gehaltenen Initialen mit ihren äusserst sorgfältig illuminierten üppigen Ranken und Ausläufern und das punzierte goldene Initialfeld lässt auf eine der führenden Werkstät- ten der norditalienischen Buchmalerei um 1460 schliessen. Der Stil der Initialen lässt Anklänge an die Buchmalereien des als Meister des Anti- phonars Q von San Giorgio Maggiore erkennen. Dieser Buchmaler ist nach seinen Malereien im Codex Q der grossartigen Chorbuchserie für das Benediktinerkloster auf San Giorgio Maggi- ore in Venedig benannt. Seine Kunst verbindet verschiedene norditalienische und veneziani- sche Stilmerkmale, insbesondere Pisanellos und wurde deshalb auch schon in Verona verortet und mit der Werkstatt des Veronesen Stefano Marino in Verbindung gebracht (Castiglioni, Gino in: Castiglioni (Hrsg.), La Parola Illuminata. Per una storia della Miniatura a Verona e a Vincenza tra Medioevo e età Romantica, Verona 2011, S. 139 ff.). Ein Vergleich des frontalen Män - nergesichtes in der Initiale B auf fol 1 unseres Hymnars mit demAntlitz des Märtyrer Heiligen des aus dem namengebenden Chorbuch Q aus San Giorgio Maggiore geschnittenen Blattes Inv. 22112 der Fondazione G. Cini in Venedig scheint den künstlerischen Zusammenhang mit der Werkstatt des Meister des Antiphonars Q zu bestätigen. Die Entstehung des franzis- kanischen Manuskriptes dürfte gegen 1460 anzusetzen sein. (Prof. emer. Dr. Gaudenz Freuler, Universität Zürich) Das letzte Blatt von anderer zeitgenössischer Hand. - Etwas gewellt, in den Rändern stel- lenweise braun- und tintenfleckig, vereinzelte Blatt etwas gebräunt oder mit Feuchtfleck am oberen Rand, an der unteren rechten Ecke etwas abgegriffen, stellenweise kl. Wurmlöch - lein und Materialfehlstellen (ohne Textverlust), Anrisse und Ausschnitte teils fachmännisch ergänzt (in den Rändern, ohne Textverlust), am rechten Rand teils kl. Nähte (von alter Pergam- entbehandlung). VInnengelenk etwas ange- platzt, hinteres Vorsatzblatt vom Spiegel etwas gelöst. Die Initialen teils schwach berieben bzw. Krakeleen im Blattgold, 1 dort mit kl. Fehlstelle. Insgesamt aber sehr gut lesbare Handschrift in guter Erhaltung. - Wenige Marginalien von alter Hand. - Auf hinteremVorsatzblatt 2 S. alte hs. Annotationen. Provenienz: Gekauft im Schweizer Handel, Anfang der 1970er Jahre, seither Schweizer Privatbesitz. CHF 4 000 / 6 000 (€ 4 210 / 6 320) 510 510
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