GEMÄLDE ALTER MEISTER 20. SEPTEMBER 2024

3020* MATTHIAS STOMER (Amersfoort um 1600–nach 1650 Sizilien) Das Abendmahl in Emmaus. Um 1640. Öl auf Leinwand. 126 × 229 cm. Gutachten: - Maurizio Marini. - Gert Jan van der Sman, 23.12.2020. Provenienz: - Privatsammlung, 1951. - Privatsammlung, 1953–1990. - Kunsthandel Galerie Bruno Meissner, Zürich, 1991. - Bei obiger erworben, Schweizer Privatsammlung. Ausstellungen: - Maastricht 1991, TEFAF, Galerie Meissner, 9.–17.3.1991. - Luzern 1994, Gemälde Alter und Moderner Meister, Galerie Fischer Luzern, 27.8–17.9.1994, Nr. 6. Literatur: - Domien Roggen: Werk van M. Stomer en Th. Rombouts, in: Gentse Bijdragen tot de Kunstgeschiedenis, XIII, 1951, S. 270 und 273. - Henri Pauwels: De Schilder Matthias Stomer, in: Gentse Bijdra- gen tot de Kunstgeschiedenis, XIV, 1953, S. 153, 186, Abb. 3, S. 151. - Benedict Nicolson: Stomer Brought Up-to-date, in: The Burling- ton Magazine, Bd. 119, Nr. 889, Special Issue in Honour of Bene- dict Nicolson, April 1977, S. 241, Nr. 54 (als “Christ at Emmaus (Christ in the center)”). - Matthiesen Gallery: Around 1610. The Onset of the Baroque, London-Leicester, 1985, S. 107–110. - Leonard J. Slatkes: Die Berufung des Matthäus, in: Holländische Malerei in neuem Licht. Hendrick ter Brugghen und seine Zeitge- nossen, Ausst.–Kat. Braunschweig, 1986, S. 334–336, Nr. 75. - Maria Teresa Penta: Un’ opra di Matthias Stomer a Napoli, in: Storia dell’arte, 69, 1990, S. 254, Fussnote 5. - Benedict Nicolson: Caravaggism in Europe, second edition, revised and enlarged by Luisa Vertova (3 Bd.), Turin 1990, Bd. 1, S. 184. - Ausst.-Kat. Gemälde Alter und Moderner Meister, hrsg. von Gale- rie Fischer Luzern, Luzern 1994, Nr. 6 (mit Abb.). - Maurizio Marini: L’ultimo caravaggesco. Tre “cene in Emmaus” inedite dell’ olandese Matthias Stomer, tardo seguace del maes- tro e del naturalismo “a luce di candela”, in: Quadri & sculture, 5, 1997, 27, S. 43, Abb. S. 41. - Gert Jan van der Sman: Naples and Southern Italy: Late Cara- vaggio and his Followers, in: G.J. van der Sman (Hrsg.): Caravaggio and the Painters of the North, Ausst. Kat. Madrid, Museo Thyssen- Bornemisza, 2016, S. 179, Abb. 55 (auch auf S. 196 Fussnote 1, unter Kat.-Nr. 53 erwähnt; Artikel von Giuseppe Porzio). Das hier angebotene Werk des Caravaggisten Matthias Stomer zeichnet sich durch die Grandiosität seiner Gestaltung in Verbin- dung mit einer hervorragenden malerischen Ausführung aus und offenbart den gesamten Umfang des malerischen Könnens Sto- mers. Die eindringliche Gestik, die ausdrucksvollen Gesichter mit runzliger, ledriger Haut und die Nahbarkeit der dargestellten Figu- ren machen dieses monumentale Gemälde zu einer lebendigen Wiedergabe der biblischen Episode des Abendmahls in Emmaus, in welcher der Moment der Überraschung hervorgehoben wird. Das Thema ist eines der bedeutendsten in der Malerei der ka- tholischen Gegenreformation, die, genährt vom Konzil von Trient, eine neue Religionspolitik einführte und die Realpräsenz Christi in der Eucharistie bekräftigte. Stomer hält sich eng an den Text des Lukas-Evangeliums (Lucas 24:30-31), der berichtet, wie zwei Jünger Christus auf dem Weg nach Emmaus begegneten, einem Dorf in der Nähe von Jerusalem, ihn aber nicht sofort erkannten. In Emmaus drängten sie ihn, bei ihnen zu bleiben und mit ihnen zu essen. Während des Abendmahls nahm Christus das Brot, dankte, brach es und begann es zu verteilen. Erst da wurden den Jüngern die Augen geöffnet, und sie verstanden, dass er der Auferstande- ne war. Der Jünger, der sich nach vorne beugt, wirft einen starken Schat- ten auf den Tisch, der mit einer Vielzahl von Gegenständen be- deckt ist, eine Form des Naturalismus, der von den zeitgenössi- schen Betrachtern sehr geschätzt wurde. Während Christus das Brot segnet, ist der linke, von hinten sichtbare Jünger im Begriff, von seinem Stuhl aufzuspringen, ein Motiv, das von Caravaggios (1571–1610) früher Darstellung des Abendmahls in Emmaus in- spiriert ist, welche 1601 im Auftrag von Ciriaco Mattei entstand und sich heute in der National Gallery in London befindet (Inv.-Nr. NG 172, siehe Abb. 1). Caravaggio, der das chiaroscuro, eine dra- matische Hell-Dunkel-Führung von Licht und Schatten, und eine äusserst realitätsnahe Darstellung von Heiligen in die Malerei ein- geführt hatte, hinterliess insbesondere bei Malern aus den Nie- derlanden einen tiefen Eindruck und auch Stomer war Teil dieses Kreises von Caravaggisten in Rom. Abb. 2 Matthias Stomer, Le Repas d’Emmaüs, Öl auf Leinwand, 130 × 164 cm. © Ville de Grenoble / Musée de Grenoble-J.L. Lacroix. 38

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