GEMÄLDE ALTER MEISTER 20. SEPTEMBER 2024
3027* CLARA PEETERS (um 1590 Antwerpen um 1659) Stillleben mit Wanderfalke und Vögeln. Öl auf Holz. Unten links signiert: CLARA. P. 33,8 × 55 cm. Gutachten: Prof. Pamela Hibbs-Decoteau, 2009 und 2017 (in Kopie vorhanden). Provenienz: - Exzellenz Johan Willem Baron Huyssen van Kattendijke (1782-1854), damaliger Aussenminister der Niederlande und persönlicher Vertrauter von König Willem II. - Durch Eheschliessung mit Baron Huyssens van Kattendi- jkes Tochter Ida Jacqueline Juliette (1832–1897) mit Jean Dollfus, Sammlung Jean Dollfus (1823–1911). - Sammlung Adrien Dollfus (1858–1921). - Durch Erbschaft, Sammlung Jean Dollfus (1891–1983). - Durch Schenkung, deutscher Privatbesitz. Dieses wunderbare Gemälde von Clara Peeters zeigt einen majestätischen jungen Wanderfalken mit seinen Beutetie- ren auf einer Tischplatte. Der dunkle Hintergrund hebt das helle Gefieder des Falken und die glänzende Reflexion in seinen Augen hervor, die den Betrachter fixieren. Der Greifvogel ruht stolz auf der Brust eines Rebhuhns, das of- fensichtlich von den starken Krallen des Raubtiers besiegt wurde. Unter den dargestellten Vögeln finden sich unter anderem ein Eisvogel, eine Bekassine, zwei Gimpel, vier Buchfinken und drei Feldlerchen, die ihr weiches Gefieder in einer für Peeters typischen Farbpalette zur Schau stel- len. Alle Vögel unterstreichen die Dominanz und Kraft des Raubvogels. Die korrekte Anatomie und die Proportionen der Vögel ermöglichen ihre Identifizierung (siehe ornitho- logische Analyse von Prof. Dr. Martin Kraft, 2016, in Kopie vorhanden), was darauf schliessen lässt, dass Peeters die Tiere aus erster Hand beobachten konnte. Clara Peeters war eine der bedeutendsten Künstlerinnen der Antwerpener Kunstszene im ersten Viertel des 17. Jahr- hunderts. Es ist heute bekannt, dass sie das traditionelle flämische Stillleben in vielerlei Hinsicht erneuert hat. Hier scheint sie eine Pionierin im Bereich des Jagdstilllebens gewesen zu sein, in dem sie sich auf die Falknerei speziali- sierte. Während diese Jagdform in Europa seit dem Mittel- alter in königlichen und aristokratischen Kreisen bekannt war, ist das Gemälde von Peeters ein frühes Beispiel für die Darstellung dieses Themas in der Ölmalerei. Dendrochronologische Analysen von Prof. Dr. Peter Klein (2014, in Kopie vorhanden) haben ergeben, dass dieses Ölgemälde auf einer Tafel um 1615 datiert werden kann, was seine Entstehung in die Mitte der Karriere von Clara Peeters stellt. Die datierten Werke aus ihrem Corpus be- ginnen in den Jahren 1607–09 und das letzte bekannte da- tierte Gemälde trägt das Datum 1621 neben ihrer Signatur. Das Erscheinen unseres Werkes auf dem Antwerpener Markt fällt also zeitlich fast genau mit einem interessanten Ereignis zusammen: 1613 erliessen die Erzherzöge Isa- bel Clara Eugenia (1566–1633) und Albert von Österreich (1559–1621), die zu dieser Zeit in Flandern regierten, ein Gesetz, das adligen Männern und Frauen das Recht ein- räumte, ausschliesslich "Fell mit Fell und Feder mit Feder" zu jagen (siehe Ausst.-Kat. The Art of Clara Peeters, hrsg. von Alejandro Vergara, Madrid/Antwerpen 2016, S. 38). Dies bedeutete, dass Hunde für die Jagd auf Säugetiere ausgebildet wurden, während Vögel, insbesondere Greif- vögel, für den Fang anderer Vögel domestiziert wurden. Da Clara Peeters wusste, dass Isabel Clara Eugenia eine leidenschaftliche Anhängerin der Falknerei war, könnte sie dieses Thema bewusst gewählt haben, um ihre künst- lerische Autorität in der Handelshauptstadt Flanderns zu manifestieren. Prof. Hibbs-Decoteau, die sich intensiv mit diesem Gemäl- de in ihrem Gutachten von 2009 und erneut 2017 befasst hat, ist von der Autorschaft eindeutig überzeugt. Die meis- terliche Detailvielfalt und Virtuosität der Malerei sprechen dafür. Sie erwähnt ferner in ihrem Gutachten, dass es sich bei diesem Gemälde sehr wahrscheinlich um den Proto- typen von Clara Peeters handelt (siehe Hibbs-Decoteau 2009, S. 3–4), der massgebend für die folgenden Versionen als Vorlage diente. Das "Stillleben mit einem Wanderfalken und seiner Beute", heute in einer Privatsammlung (siehe Abb. 1: NICOLAS CAVE. (?- Antwerpen 1650). Stillleben mit einem Wanderfalken und seiner Beute. C. 1625. Öl auf Holz. Privatbesitz. 48
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