SCHWEIZER KUNST AUKTION 29. NOVEMBER 2024

plus en plus vers le centre de la terre, ainsi que tous les corps." (Carl Albert Loosli, Ferdinand Hodler. Leben, Werk und Nachlass, Bd. IV, Bern, S. 214 f.) In diesem Sinne sind Hodlers letzte Bilder nicht blosse Ausschnitte aus einem konkreten Stück Landschaft, sondern stehen gleichnishaft für eine überzeitliche Gesetzmässigkeit der Natur. Nachdem die grossen symbolistischen Figurenbilder und die Porträtaufträge der letzten Jahre dem Künstler viel Energie abverlangt hatten und er oft Kompromisse einge- hen musste, war es sein Traum, fortan ganz frei nur noch Landschaften zu malen, wie er dem Kunstkritiker Johan- nes Widmer in Betrachtung des Sees bei einem Spazier- gang vom Atelier nach Hause anvertraute: "Auch andere Landschaften als bisher werde ich malen, oder doch die bisherigen anders. Sehen Sie, wie da drüben alles in Lini- en und Raum aufgeht? Ist Ihnen nicht, als ob Sie am Rand der Erde stünden und frei mit dem All verkehrten? Solches werde ich fortan malen. […] Ich werde jedenfalls nur noch aus eigenem Antrieb Bilder malen, keine Aufträge mehr. Landschaften wie diese hier, planetarische Landschaften!" (Johannes Widmer, Von Hodlers letztem Lebensjahr, Zürich 1919, S. 8 f.). Der Begriff "planetarisch" umschreibt treffend das Wesen dieser Werkreihe: Sie sind Ausdruck einer die konkrete topographische Erscheinung übersteigenden , sinnbildhaften Vision der Natur. Das scheint auch Alberto Giacometti, der Hodler seit seiner Jugend hoch schätzte, so empfunden zu haben, meinte er doch einmal: "Es ist, wie wenn diese Landschaften von jemandem gemacht wä- ren, der ausserhalb dieser Welt steht." (Zitiert nach René Wehrli, Bericht der Gottfried Keller-Stiftung 1963–1965, S. 71 f.) Farbe und Formstehen bei Hodler imDienste einer Bildord- nung, welche die Ordnungsgesetze der Natur gleichnishaft darstellt. "Formes en rhythmes, Ordnung erhöht durch die Farbe. "hält Hodler in einem Skizzenheft fest (Carl Albert Loosli, Ferdinand Hodler. Leben, Werk und Nachlass, Bd. IV, Bern, S. 214). Schon seinen Zeitgenossen galt Hodler als Maler, bei dem sich die Farbe der Form unterordnete. Doch in seinem Spätwerk löst sich Hodler zunehmend von den an die Formen gebundenen Lokalfarben und findet zu einem freieren Gebrauch des Kolorits. Gegenüber Johan- nes Widmer formuliert er diese Entwicklung wie folgt: "Ich habe über den Gedanken, die ich jahrelang der Form, dem Aufriss, der Komposition zuwandte, die Farbe hintange- setzt, vernachlässigt. […] Und jetzt habe ich beides, und mehr als je begleitet die Farbe nicht nur die Form, sondern die Form lebt, kurvt, durch die Farbe. Und jetzt ist es herr- lich. Jetzt habe ich die grossen Räume." (Johannes Widmer, Von Hodlers letztem Lebensjahr, Zürich 1919, S. 43). Wir danken Paul Müller, demMitverfasser desWerkverzeich- nisses von Ferdinand Hodler, für diesen Katalogeintrag. CHF 4 000 000/6 000 000 (€ 4 210 530/6 315 790) Genfersee mit Mont-Blanc am Nachmittag (März). 1918. © SIK-ISEA, Zürich Genfersee mit Mont-Blanc am frühen Morgen. 1918. © SIK-ISEA, Zürich 33

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