GEMÄLDE DES 19. JAHRHUNDERTS 28. MÄRZ 2025
3230* FERDINAND GEORG WALDMÜLLER (Wien 1793–1865 Helmstreitmühle) Auffindung des Mosesknaben. 1818. Nach einem Annibale Carracci zugeschriebenen Gemälde. Öl auf Leinwand. Unten links signiert und datiert: Waldmüller fec. 1818. 42,5 × 55,7 cm. Provenienz: - Auktion Wawra, Wien, 29.1.1919, Los 168. - Auktion Kende, Wien, 8.12.1952, Los 118. - Sammlung Otto Schatzker, Wien. - Privatsammlung Österreich. - Auktion Koller, Zürich, 30.3.2012, Los 3223. - Europäische Privatsammlung. Literatur: - Bruno Grimschitz: Ferdinand Georg Waldmüller (mit Werkver- zeichnis von Bruno Grimschitz und Emil Richter), Salzburg 1957, Nr. 31, als "Dem Christkinde wird das Bad bereitet". - Rupert Feuchtmüller: Ferdinand Georg Waldmüller. 1793–1865. Leben - Schrift - Werke, Wien 1996, S. 421, Nr. 31 (mit Abb.). "In Wien strebte der Künstler, sich zunächst dadurch zu vervoll- kommnen, dass er nach alten Meistern copirte. Er copirte gut und fand Beifall und Abnehmer. […] Auch in der Dresdener Galerie war er als Copist thätig." Diese wenigen Sätze Theodor von Frimmels aus der Allgemeinen Deutschen Biographie von 1896, mit der die Wiederentdeckung Waldmüllers eingeläutet wurde, deuten es an: Mit Hingabe und Fleiss widmete sich der österreichische Künst- ler ab 1817 nicht nur in seiner Heimatstadt dem Selbststudium an Altmeistern. Dresden und Wien boten damals schon Zugang zu erstklassigen Werken berühmter Künstler, die Waldmüller intensiv studierte. Man fand ihn im Belvedere, in den kaiserlichen Sammlungen (heute das Kunsthistorische Museum) und in der Esterhazygalerie. Unter anderem sind von ihm Gemälde nach Guido Reni, Tizian, del Sarto, van Dyck, Ribera und der Raffael-Schule bekannt. Besonders angetan haben es demÖsterreicher Werke aus dem 17. Jahrhundert. Bis Mitte der 1820er-Jahre sollte er sich an berühmten Vorbildern schulen, und bis in die 1850er-Jahre hinein - längst war er ein vehementer Verfechter des Malens vor der Natur - übte er sich im klassischen Stil. Einen GewinnWaldmüllers aus seiner Tätigkeit als Kopist kannman "vor allem in der Leuchtkraft der Farben, aber auch in der Eroberung des Raumes, in der Plastizität durch Licht und Schatten sowie in der Prägnanz des Ausdrucks feststellen" (Feuchtmüller 1996, S. 29). Neben dieser für sein späteres Schaffen enorm wichtigen Schulung boten die Kopien auch eine wichtige Einnahmequelle, sind doch viele Arbeiten für Auftraggeber belegt, die ihn zum Teil über Jahre hinweg für sich arbeiten liessen. Man muss sich vergegenwärtigen, dass damalige Kunstliebhaber ihre bewun- derten Altmeister nur in Form von manuellen Reproduktionen ins Heim holen konnten. Im Jahre 1818 - dem Entstehungsjahr auch des hier angebotenen Werks - datiert Waldmüller kurz vor Weihnachten das Gemälde "Christus und die Samariterin am Brunnen" (Feuchtmüller 1996, S. 420, Nr. 30), das gewisse stilistische Ähnlichkeiten mit unserem Bild aufweist. Die "Samariterin", Teilkopie nach einem Gemälde von Annibale Carracci um 1604 (Original im Kunsthistorischen Museum Wien), geht ebenso in die Sammlung des Wiener Kunst- händlers und Kunstsachverständigen Otto Schatzker ein wie auch unser Gemälde. Auch dieses soll nach einem Annibale Carracci zugeschriebenen Gemälde angefertigt worden sein, der Verbleib des Vorbilds ist indes nicht bekannt. Feuchtmüller betitelt in seiner Monographie unser Werk mit "Auf- findung Moses". Dieses Bildthema war bei Künstlern aufgrund der Exotik von Kulisse und Gewändern beliebt, immerhin soll nach dem Buch Exodus die Tochter des Pharao in Begleitung ihrer Dienerinnen am Ufer des Nil baden gegangen sein und dabei den dreimonatigen Moses in einem Körbchen aus Schilf gefunden haben. In der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden, in der Waldmüller ebenfalls als Kopist tätig war, findet sich beispielsweise eine "Findung Mosis" von Pieter Fransz. de Grebber aus dem Jahr 1634, die einige Parallelen zu unseremWerk zeigt, so insbesondere 146
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