GEMÄLDE DES 19. JAHRHUNDERTS 28. MÄRZ 2025
die Präsentation des nackten Knaben, die im Hintergrund rechts mit einem Tuch aufwartende Frau mit Duttfrisur und die im linken Vordergrund darreichende Frau im bronzefarbenen Gewand. Doch spricht die Platzierung der Szene durch Waldmüller in den Innen- raum ebenso wie die auf unserem Bild weniger herausgehobene Stellung der Fraumit demKnaben eher nicht für das Moses-Thema. Bruno Grimschitz schlug in seinem Werkverzeichnis von 1957 den Titel "Dem Christkinde wird das Bad bereitet" vor, eine ikonographisch durchaus überlegenswerte Variante. Darauf deuten etwa die Körperhaltung des Knaben im Zentrum, die seinen Kopf umgebende Corona und die anbetende Geste der Frau links im Hintergrund hin. Das Baby am rechten Bildrand könnte dann Johannes der Täufer auf den Armen seiner Mutter Elisabeth darstellen. Welches VorbildWaldmüller auch immer vor sichhatte, bei unserem Bild dürfte es sich umeine seiner "Nachschöpfungen von durchaus eigenem Charakter" handeln, durch die er sich auszeichnete. Sie unterscheiden sich vom Original durch gesteigerte Farbintensität und verstärkten Kontrast und Linienführung (Feuchtmüller 1996, S. 28). Besonders bemerkenswert ist das von der linken Bildseite einfallende Licht, das die kreisförmige Figurengruppe in einen goldenen Schimmer taucht und die kostbaren Stoffe der Gewänder ebenso wie die metallene Wanne und den Wasserkrug im Vordergrund aufleuchten lässt. Klassisch ist die Positionie- rung der drei zentralen Frauenfiguren zu einer Dreiecksfigur. Die Vorliebe des damaligen Klassizismus für antike Vorbilder spiegelt sich in den Gewändern ebenso wie in der Strukturierung des Bildhintergrundes mit angedeuteten Pilastervorlagen und der Brüstung mit Landschaftsausblick wider. Besonders gelungen ist Waldmüller aber die heiter-ruhige Stimmung, mit der sich Frauen und Kinder auf die Erscheinung des alabasterfarbenen Säuglings rechts der Bildmitte konzentrieren. CHF 25 000/35 000 (€ 26 600/37 230) 147
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