GEMÄLDE ALTER MEISTER 28. MÄRZ 2025
3019* AMBROSIUS BOSSCHAERT d. Ä. (Antwerpen 1573–1621 Den Haag) Blumenstrauss in einem Römerglas in einer Nische. Um 1620. Öl auf Kupfer. Links unten monogrammiert AB (ligiert). 26,3 × 17,1 cm. Provenienz: - Rheinischer Adelsbesitz. - Auktion Theodor Bauer, Berlin, 12.5.1928, Los 46. - Europäische Privatsammlung. Literatur: Laurens Johannes Bol: The Bosschaert Dynasty. Painters of flowers and fruit, Leigh-on-Sea 1960, S. 65, Nr. 36. Kürzlich in einer Privatsammlung wiederentdeckt, stellt dieser farbenfrohe und qualitätsvolle Blumenstrauss auf einer Kupfertafel eine bemerkenswerte Bereicherung für das bislang bekannte Oeuvre des Blumenstilllebenmalers Ambrosius Bosschaert d. Ä. dar. Es handelt sich hierbei um ein charakteristisches Beispiel seiner künstlerischen Spätphase. In einer gewölbten Steinnische findet sich ein farbenfroher Blumen- strauss in einemRömerglas. Auf der Standfläche ist die Komposition durch einen Schmetterling und zwei Schneckenhäuser belebt. Der Strauss setzt sich aus einer Vielzahl an Blüten zusammen, die alle so angeordnet sind, dass sie sich kaum überlappen und dadurch ihre Einzigartigkeit gekonnt zur Schau gestellt wird. So werden zwei verschiede Rosenblüten mit Knospen gezeigt, eine geflammte Tulpe, ein Maiglöckchenzweig, ein Veilchen, Rosmarinblätter, Vergiss-mein-nicht, Zweiblättriger Blaustern, ein Stiefmütterchen, Hasenglöckchen, eine Gartennelke sowie weiteres Blattwerk. Gekrönt wird der Strauss von einer sibirischen Schwertlilie. Dr. Fred G. Meijer, der das Stillleben anhand einer Fotografie studiert hat und wofür wir ihm danken, datiert dieses Gemälde in die 1620er-Jahre und bezeichnet es als ein exzellentes Beispiel aus dem Spätwerk von Ambrosius Bosschaert d. Ä.. Ambrosius Bosschaert d. Ä. zählt zu den Pionieren des eigen- ständigen Blumenstilllebens zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Über seine künstlerischen Anfänge ist wenig bekannt. Geboren in Antwerpen, siedelte er in jungen Jahren mit seiner Familie nach Middelburg um. Dort wurde er zu einem der ersten Spezialisten auf dem Gebiet der Blumenmalerei. Dabei dürfte besonders das Interesse zahlreicher Amateur-Botaniker, die Pflanzen und seltene Spezies in ihren Gärten kultivierten, die Nachfrage nach Blumen- stillleben als eigene Gattung in der Malerei gefördert haben. Von 1593 bis 1613 ist Bosschaert in der Sankt Lukasgilde aufgeführt, er engagierte sich aber auch als Kunsthändler. 1615 begab sich Bosschaert zunächst nach Bergen op Zoom, von 1616–1619 nach Utrecht und von 1619–1621 nach Breda. 1621 verstarb er in Den Haag, als er ein Blumenstillleben an seinen Auftraggeber Frederick van Schurman, dem Bottelier von Prinz Maurits van Oranien (1567– 1625) auslieferte. Das Gemälde befindet sich heute in der National Gallery of Arts, Washington (datiert 1621, Öl auf Kupfer, 31,6 × 21,6 cm, Inv. Nr. 1996.35.1). In Breda dürfte auch unser Blumenstillleben entstanden sein. Laurens Johannes Bol machte darauf aufmerksam, dass die dar- gestellten Blüten in Bosschaerts Sträussen in der Realität niemals zeitgleich blühten und somit als komponiertes Arrangement zu verstehen sind (Bol 1960, S. 20 ff.). Es werden die kostbarsten Blumensorten in ein Gesamtwerk vereint. Hierfür hatte Bosschaert neben den Naturbeispielen auch eine Anzahl an botanischen Zeichnungen und druckgraphischen Abbildungen als Vorlage, wie beispielsweise in den "florilegia" von Rembertus Dodonaeus (1516–1585) und Carolus Clusius (1526–1609), zwei bedeutenden Botanikern des 16. Jahrhunderts, sowie das druckgrafische Werk von Adriaen Collaert (um 1560–1618). Verglichen mit dem ebenfalls auf Kupfer gemalten Blumen- strauss, der bei Koller 2008 versteigert wurde (Abb. 1) und bei dem es sich um ein Beispiel für Bosschaerts frühes Schaffen handelt, zeichnet sich das hier angebotene Stillleben besonders durch die Steigerung der räumlichen Tiefe und Präzision von architektonischer Hintergrundgestaltung aus. Während der frühe Blumenstrauss noch einen monochromen Hintergrund aufweist, lässt sich nun die Wölbung der Nische erkennen, die den Bildraum imHintergrund vergrössert. Die Dreidimensionalität der Blüten und Blätter wird dadurch perfektioniert und das Volumen des Strausses Abb. 1: Ambrosius Bosschaert d. Ä., Blumenstrauss, Öl auf Kupfer; Unten links monogrammiert: AB (ligiert). Unten rechts datiert: 1610. 26 × 18,1 cm, Koller 2008, A146 Los 3014. 26
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