DECORATIVE ARTS 27. MÄRZ 2025
bekannten vom Hofebenisten gefertigten Schreibtischen, wovon einer für den herzoglichen Hof gefertigt wurde, dürfen wir davon ausgehen, dass wohl auch unser Möbel für einen bedeutenden Adligen hergestellt wurde, vielleicht sogar für Friedrich Eugen oder seinen Bruder, Karl Eugen, den regierenden Herzog von Württem- berg. Mömpelgard (heutiges Montbéliard) gehörte von 1407 bis 1796 zum württembergischen Herrschaftsgebiet und war sowohl dem französischen wie auch deutschen Einfluss ausgesetzt. Abraham Nicolas Couleru erlernte die Feinheiten des Schreinerhandwerks in Paris und wurde unweigerlich beeinflusst durch die grossen Pariser Ebenisten, wie beispielsweise Mathieu Criaerd (1689– 1776). Abraham Nicolas Couleru war als Kunstschreiner so be- gehrt, dass etwa die Stadt Basel dembegabten Kunstschreiner frei- es Bürgerrecht offerierte, sollte er sein Handwerk in Basel ausüben wollen. Couleru aber blieb seiner Heimatstadt und dem Herzog- tum Württemberg treu, wo er mit seinem Bruder und Neffen eine eigene Werkstatt betrieb. Vor der Besetzung Montbéliards durch die revolutionären französischen Truppen, zog Herzog Friedrich Eugen 1791 nach Basel, wohin er grosse Teile des Mobiliars der Schlösser Montbéliard und Etupes bringen liess. Von Basel zog er weiter nach Bayreuth, doch blieb ein Teil des Schlossmobiliars vor Ort, wo dieses 1794 auf einer Auktion verkauft wurde. In die- ser Auktion befanden sich zahlreiche Möbel der Couleru-Werkstatt und möglicherweise auch unser Schreibtisch. CHF 12 000/18 000 (€ 12 770/19 150) Provenienz: - wohl gefertigt für Karl Eugen Herzog von Württemberg (1728– 1792) oder seinen Bruder, Herzog Friedrich Eugen von Württem- berg (1732–1797). - Sammlung Major-General Sir Edward Spears, K.B.E., C.B., M.C. - Auktion Christie’s London, 27.6.1974, Lot 129. - Auktion Christie's London, 4.12.1986, Lot 171. - Gierhards Kunsthandel, Düsseldorf. - Westdeutscher Privatbesitz. - Schweizer Privatbesitz. Literatur: Pierre Kjellberg: Le mobilier français du XVIIIe siècle, Paris, 1998. S. 190. Schöner restaurierter Zustand. Dieses elegante Bureau Plat ist von historischer und kunsthand- werklicher Bedeutung. Es ist nach heutigem Wissensstand einer von nur zwei von Abraham Nicolas Couleru (1716–1812) gefertig- ten Schreibtische. Ein fast identischer Schreibtisch, hergestellt für Friedrich Eugen Herzog von Württemberg (1732–1797) ehemals aus Schloss Etupes in Montbéliard stammend, hat sich im Würt- tembergischen Landesmuseum in Stuttgart erhalten (lnv.-Nr. 1979- 8). Beide Möbel weisen im Vergleich eine identische Formgebung und Gestaltung auf. Das Stuttgarter Exemplar unterscheidet sich lediglich in den reicheren (und wohl späteren) Bronzen und in De- tails der Furnierung. Unser 1974 und wiederum 1989 bei Christie’s in London versteigerte Bureau Plat ist mehrfach vom Meister ge- stempelt und 18 cm länger als das Stuttgarter Bureau. Bei nur zwei 143
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