DECORATIVE ARTS 27. MÄRZ 2025

1014* KOPF EINES JUNGEN Römisch, 1. Jh. n. Chr. Regierungszeit des Kaisers Nero. Wohl überarbeitet im 5. Jh. n. Chr. Marmor vollrund gearbeitet mit Versinterungen. Frontale Dar- stellung eines jugendlichen Knabengesichts mit mittellangen, wel- lenförmigen Haarsträhnen. Mittig auf der Kalotte drei Zopfstränge, welche Vorne in drei Perlen- und Juwelenanhänger übergehen. Der Hals mit kindlichen Hautfalten. Auf späterem Sockel montiert. H ohne Sockel 25 cm. Provenienz: Schweizer Privatbesitz, erworben 28.11.1973 (gem. Kopie einer Karteikarte). Literatur: Angelika Geyer: Ein wiederverwendetes Knabenporträt. In: Me- ded. Vol. 23, Rom 1981, S. 101-106, Abb. 34 (1-4)/35. Nase fehlt, Lippen und Kinn mit starken Bestossungen. Linke Ge- sichtshälfte geflacht. Kittungen im Bereich der Montierung. Angelika Geyer zieht in ihrem wissenschaftlichen Beitrag "Ein wie- derverwendetes Knabenporträt" (Rom, 1981) Parallelen zwischen unserem Kopf und einem Porträtkopf des jungen Nero in der Ny Carlsberg Glyptotek. Geyer stellt die Hypothese auf, dass das Haar unseres Knabenkopfes im 4. bis 5. Jahrhundert n. Chr. überarbei- tet wurde, um einen juwelenbesetzten Anhänger hinzuzufügen. Solche Nachbearbeitungen früherer Porträtköpfe waren laut John Pollini eine gängige Praxis (Vgl. "Recutting Roman Portraits: Prob- lems in Interpretation and the New Technology in Finding Possible Solutions". In: Memoirs of the American Academy in Rome, Bd. 55, 2010, S. 24–44). Insbesondere bei in Ungnade gefallenen römi- schen Kaisern und ihren Familien wurden Marmorporträts alteriert und der aktuellen Mode angepasst. CHF 10 000/15 000 (€ 10 640/15 960) 17

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