WORKS OF ART & DECORATIVE ARTS AUKTION 18. SEPTEMBER 2025

1071 EISENUHR MIT MONDPHASE Gotisch, süddeutsch, datiert 1587. Eisengestell in Pilasterbauweise mit durchbrochenem Glocken- stuhl mit gekanteten sowie teilvergoldeten Fialen. Bemaltes Me- tallzifferblatt, der Zifferring mit römischen Stunden, darüber ein durchbrochenes Zifferblatt für die Mondphase. Hintereinander angeordnete Werke, Gehwerk mit Spindelgang und Radunruh, Stundenschlagwerk auf Glocke mit rückseitiger Schlussscheibe. Eisengewichte. Spätere Wandkonsole. 19 × 21 × 45,5 cm. Ergänzungen und Restaurierung. Fassung später. Radunruh, Spindelrad und Glocke ersetzt. CHF 3 000/5 000 (€ 3 190/5 320) 1072* STOLLEN- ODER SAKRISTEISCHRANK Im Stile der Gotik, wohl Münchner Meister um 1900. Nach einem Vorbild im Bayerischen Nationalmuseum, Nürn- berg, letztes Viertel 15. Jh. Nadelholz mit Esche furniert und eingelegt, teils poly- chrom gefasst, geschnitzt sowie teils vergoldet. Recht- eckiger zweigeschossiger Korpus auf gerader Zarge und Stollenfüssen. Breiter gerader Zinnenkranz. Front mit dop- peltürigem Oberteil über einer Reihe von drei Schubladen sowie doppeltürigem Unterteil. Reicher Dekor in Form von farbig hinterlegten Reserven mit durchbrochen geschnitz- tem, gotischem Masswerk bzw. gotischem Rankenwerk und Blüten. Die Seitenwandungen mit kerbgeschnitztem Blattwerk sowie Ziertragegriffen. Schöne geschmiedete Eisenbeschläge in Form von Wappenschilden, die Griffe an Hirschköpfen befestigt. 2 Schlüssel. 188 × 60 × 246 cm. Schlösser ersetzt. 1 Schubladenknopf gebrochen. Fehl- stellen und Gebrauchsspuren. Der hier angebotene zweigeschossige Schrank ist eine nahezu detailgetreue Kopie eines spätgotischen Sakristei- schrankes, dessen Entstehung in Nürnberg in der Zeit des letzten Viertels des 15. Jh. angegeben wird. Das Original befindet sich heute im Bayerischen Nationalmuseum in München (Inv.-Nr. MA 2904). Die Bezeichnung Sakristei- schrank geht auf das 19. Jh. zurück und rührt von der Ver- wendung zur Aufbewahrung kirchlicher Textilien her. Auch das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg verwahrt einen im Aufbau identischen, jedoch sich im Zierrat unter- scheidenden Schrank, welcher wohl aus Sterzing (Südtirol) stammt und ebenfalls im späten 15. Jh. entstand (Heinrich Kreisel: Die Kunst des deutschen Möbels. München 1968, Bd. 1, Nr. 101). Heinrich Kreisel vermutet den Ursprung dieses Schranktypus in Tirol, wobei er insbesondere das durchbrochene, farbig unterlegte Masswerk als Eigenheit herausstreicht. Eine weitere Kopie des Schrankes im Bayerischen Natio- nalmuseum wurde um 1900 im Berliner Kaufhaus Hohen- zollern angeboten. Er unterscheidet sich von seinem Vor- bild sowie dem hier angebotenen Stück hauptsächlich in der Ausgestaltung der Türbeschläge. Gemäss mündlichen Angaben des Kurators im Bayerischen Nationalmuseum sind drei Nachbauten des Originals bekannt, die Anfang des 20. Jh. von einem Münchner Schreinermeister gefer- tigt wurden. Das Original wurde vom Museum 1857 aus der Sammlung Max Ainmiller angekauft. Weitere vergleichbare Nachbauten gotischer doppelge- schossiger Schränke wurden angeboten bei Sotheby's Amsterdam, Auktion 16./17.10.2001, Nr. 776 sowie bei Hampel München, Auktion 27.3.2014, Nr. 374. CHF 4 000/7 000 (€ 4 260/7 450)

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