BÜCHER & AUTOGRAPHEN 25. MÄRZ 2026

4215 Hortense de Beauharnais (1783-1837). Album aus ihrem Besitz mit 69 Aquarellen und Pinselzeichnungen in Sepia oder Grau, wenigen Bleistift- oder Federzeichnungen so- wie 1 kolor. Lithographie. Einige Blätter signiert, monogrammiert, rückseitig alt in zartem Bleistift bezeichnet (von der Eignerin?) oder mit späteren Künstleretiketten versehen. Datierungen 1811 - 1824. Wenige Kleinformate (darunter Medaillons) ab 6 × 8,5 cm, meist Mittel- oder Grossformate bis 23 x 29,5 cm. Auf getönte Trä- gerpapiere (25,5 × 32 cm) mit getuschten Einfassungslinien und passepartoutartig ausgeschnittenen Rückseiten montiert. Lang- genarbter dunkelroter Maroquinband d. Z. mit etwas Vergoldung und Blindprägung, 8 Eckstücken, 2 Schliessen und gravierter De- ckelkartusche "Hortense" aus durchbrochenem Messing, weissen Moiréseiden-Vorsätzen mit breiten floralen Goldbordüren sowie Goldschnitt (geringfügige Kratzspuren am Rückdeckel, Buchblock fast lose) in originaler grüner Maroquintasche mit Stecklasche und Bindebändern (stark berieben, Kanten teils geplatzt). Hortense de Beauharnais lebte ab 1817 im Schweizer Exil auf Schloss Arenenberg im Thurgau. Selbst eine begabte Musikerin und Zeichnerin, unterhielt sie im umgestalteten Schloss und Park einen künstlerisch-intellektuellen Salon, zu ihren Gästen zählten Franz Liszt, Alexander von Humboldt, Juliette Recamier, Chateau- briand und Alexandre Dumas. Das vorliegende, bislang unbe- schriebene Album versammelt qualitätvolle Arbeiten aus ihrem Umkreis und in ihrem typischen Geschmack, zumeist romantisch aufgefasste Landschaften und historisierende Genreszenen. - Auf den ersten Blick herausragend ist eine frühe Wiedergabe von Caspar David Friedrichs "Winterlandschaft mit Kirche" (und beten- dem Krückengänger) in unsigniertem Aquarell mit Weisshöhung (23 × 29,5 cm). Das Gemälde wurde erstmals 1811 in Weimar ausgestellt, 1813 von Ludwig Puttrich in Leipzig erworben und 1814 erneut gezeigt. 1982 erfolgte die Wiederentdeckung in der Pariser Sammlung eines exilierten russischen Prinzen, 1987 der Ankauf durch die National Gallery London. Eine zweite Fassung existiert im Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund. Die detailgetreue Nachzeichnung in Hortenses Album folgt der Londoner Erstfassung mit einer Brücke vor der gotischen Kirche und aus dem Schnee ragenden Grasbüscheln. - Unter den Blät- tern mit eindeutigen Signaturen: Henri Boug d'Orschwiller (1783- 1859), Aquarell "Tallandschaft mit Schloss und Kirche" und Sepia "Gehöft in Alpental" (beide 1818). - Auguste Garneray (1784-1824, Hortenses ehemaliger Lehrer), Aquarell "Ritterlicher Handkuss vor gotisierendem Torhaus" (1816). - Alexandrine Lambert (nicht identifiziert), Aquarell einer weiteren mittelalterlichen Handkuss- Szene und grosse Sepiazeichnung einer Parklandschaft (Arenen- berg?). - Mathias Gabriel Lory (1784-1846), fein ausgeführte Aqua- relle "Drei römische Pfifferari", "Partie am Luganersee", "Glacier du Schmadribach au fond de la Vallée Lauterbrunnen" (Bleistift verso) sowie Sepiazeichnungen "Felsentor mit Ausblick auf Berg über See" (1816) und "Kutschpartie (wohl) im Lauterbrunnental". - Johann Georg Volmar (1770-1831), Aquarell "Rastendes Pferde- gespann" und Tuschpinselzeichnung "Bauernfamilie". - A[guste de?] Forbin, Sepia "a mola di gaeta" (Bleistift verso). - C. Bauer- grain (nicht identifiziert), grosse Sepiazeichnung "Klosteranlage in Gebirgstal". - [Pierre-Luc-Charles] Ciceri (1782-1868), Aquarell "Italienisches Gebirgstal mit Ausblick in die Ebene" (1821). - Johannes Senn (1780-1861), Tuschpinselzeichnung "Wilhelm Tell". - Louise Cochelet (1783-1827, Jugendfreundin und Reisebe- gleiterin Hortenses, bis 1824 auf Schloss Arenenberg), Aquarell "Schwärmische Beterin in Kapelle". - Carl Ludwig Frommel (1789- 1863), Sepiazeichnungen "Golf von Neapel mit Vesuv" und "Non- nenkloster in Flusstal" (1823). - [François-Barthelemy-] Augustin Desmoulins (1788-1856), grosse Sepia "Edelmann mit Degen in Ruinenarchitektur". - I[sidore Laurent] Deroy (1797-1886), eiweiss- gehöhtes Aquarell "Kirchenruine mit Farbfenstern im abendli- chen Durchlicht" (1821). - Friedrich Meyer (1802-1837), Aquarell "Bärenpaar". - [Joseph-François] Burdallet (1781-1851), vier mit der Feder vollendete und signierte Miniaturradierungen Schweizer Landschaften (Blattgrösse 6 × 8,5 cm) . - J[ean-Baptiste] Isabey (1767-1855), Sepia "Südliche Uferpromenade mit Kutsche und Fischern". - Die anonymen Blätter sind in der Überzahl, reihen sich aber aber thematisch und künstlerisch in die vorgenannten ein. Dies gilt insbesondere für die Alpenlandschaften in Sepia, mög- licherweise befinden sich darunter Arbeiten Hortenses. Erwähnt seien: Grosse Sepia "Vue du Lac de Constance" (Bleistift verso) mit Rückendarstellung einer Zeichnerin auf Terrassenbrüstung, mit Wahrscheinlichkeit Arenenberg und vielleicht die Eignerin selbst. - Medaillon-Aquarell mit Gouache "Mondnacht über Kathe- dralbastion mit Brückengang, Grabmalen, Trauerweide und zwei Nonnen" (Ø 11,5 cm). - In gleicher Manier Aquarell "Tour de Grezy en Savoye" (Bleistift verso; Ruine mit Ritter bei Mondschein). - Sepia "Cimethiere de Bouillon Dept de Loire" (Bleistift verso, recto undeutlich signiert). - Sepia "Napoleon auf dem Totenbett". - Heftung gelockert, erstes Trägerpapier lose, die übrigen teils mit Abklatsch- und Leimspuren sowie gelegentlichen Randläsuren. Sepia "Lac de Constance" mit vertikaler Knickfalte, Burdallets Ra- dierungen durch Farbdurchschlag gebräunt, der Zeichnungsbe- stand sonst sehr gut erhalten. - Provenienz: In den 1970er Jahren im Pariser Handel erworben. - Schweizer Privatbesitz. CHF 14 000 / 18 000 (€ 15 220 / 19 570) 100

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