IMPRESSIONISMUS & MODERNE 26. JUNI 2026
61 3235 ERICH HECKEL (Döbeln 1883–1970 Radolfzell) Frau am Tisch (Siddi Heckel). 1914. Öl auf Leinwand. Verso signiert und datiert: Erich Heckel 1914. Unten rechts nachträglich signiert: Heckel. 64 × 38,5 cm. Provenienz: - Sammlung Alfred Hess, Erfurt, direkt beim Künstler erworben. - Hans Hess, Berlin/Paris/London, 1931 durch Erbschaft von Obigem erhalten. - Peter Herkenrath, Köln. - Auktion Lempertz, Köln, 17.5.1974, Los 269. - Galerie Rosenbach, Hannover, an obiger Auktion erworben. - Schweizer Privatsammlung, am 24.6.1974 in obiger Galerie erworben und seither im selben Familienbesitz. Ausstellungen: - Basel 1933, Moderne Deutsche Malerei aus Privatbesitz, Kunsthalle Basel, 7.–29.10.1933, Nr. 17. - Zürich 1934, Neue Deutsche Malerei, Verkaufsausstellung, Kunsthaus Zürich, 21.6.–15.7.1934, Nr. 47. Literatur: - Andreas Hüneke: Erich Heckel. Werkverzeichnis der Ge- mälde, Wandbilder und Skulpturen. 1904–1918, München 2017, Bd. I, S. 281, Nr. 1914-4 (mit Abb.). - Paul Vogt: Erich Heckel, Recklinghausen 1965, Nr. 1914-3 (mit Abb.). Wir danken Christina Feilchenfeldt für die wissenschaftliche Unterstützung. Das Gemälde ”Frau am Tisch“ entsteht 1914. Dargestellt ist Siddi Heckel, die damalige Freundin und liebstes Modell Erich Heckels. 1915 heiratet das Paar und es folgt eine lange und glückliche Ehe. Das ausserordentlich ausdrucksstarke, expressionistische Gemälde stammt aus einer der besten Zeiten des Künstlers – kurz nach der Auflösung der Künst- lergruppe ”Die Brücke“, zu einer Zeit der politischen Span- nungen und wohl nur einige Wochen vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Gleichzeitig muss Siddi durch eine Erkrankung einige Wochen das Bett hüten. Die ungefähr 35 Ölgemälde, die Heckel laut Hünekes Werkverzeichnis im Jahr 1914 malt, sind vorwiegend Landschaften mit oder ohne Fi- guren sowie wenige Porträts. Wie auch bei ”Frau am Tisch“ malt der Künstler die Porträtierten nicht bewegt oder voller Lebensfreude, vielmehr werden sie begleitet von einer inne- ren Melancholie, konzentriert und besonnen auf das eigene Sein. Sie sind ein Spiegel von Heckels Gefühlswelt. Dabei bleibt er stilistisch seinem scharfkantigen, dynamischen Duktus treu. ”Frau am Tisch“ galt knapp 40 Jahre lang als verschollen, bis es Mitte der 1970er-Jahre an einer Auktion in Deutschland wieder auftauchte. Durch intensive Recherchen und mit der Hilfe von Christina Feilchenfeldt konnte Koller die hoch inte- ressante Geschichte des Gemäldes rekonstruieren und die fraglichen Lücken füllen. Das zur Auktion kommende Gemälde war ursprünglich im Besitz des Erfurter Kunstsammlers Alfred Hess. Hess war einer der bedeutendsten Kunstmäzenen seiner Zeit. Mit Leidenschaft und grossem Gespür für die zeitgenössische Avantgarde baute er bis zu seinem Tod 1931 eine der wich- tigsten Sammlungen Deutscher Expressionistischer Kunst auf. Nach dem Tod von Alfred Hess ging die Kunstsammlung an seinen Sohn Hans Hess über. Dieser emigrierte im Früh- jahr 1933 zunächst nach Frankreich und später weiter nach England. Die Sammlung blieb in der Obhut seiner Mutter Tekla Hess. In der Hoffnung, die Kunstwerke in der Schweiz vor dem Zu- griff der Nationalsozialisten zu schützen und bei Gelegenheit auch Käufer für die Kunstwerke zu finden, versendete Tekla Hess im Sommer des Jahres 1933 rund 100 Kunstwerke auf Freipass nach Basel. Die Gemälde, darunter auch ”Frau am Tisch“, wurden in der Ausstellung ”Moderne deutsche Ma- lerei aus Privatbesitz“ im Oktober in der Kunsthalle Basel präsentiert. Ein Jahr später wurde das Porträt im Kunsthaus Zürich gezeigt, wo es nach der Ausstellung zusammen mit
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