SCHWEIZER KUNST 26. JUNI 2026
50 Die beiden angebotenen Stillleben von Hans Emmeneg- ger, beide aus der Sammlung von Dr. jur. L. F. Meyer, einem Förderer des Künstlers zu dessen Lebzeiten, stehen exem- plarisch für eine Werkgruppe, die nach seinem Aufenthalt in Südfrankreich einsetzt und innerhalb seines Œuvres eine bedeutende Rolle einnimmt. Diese rund einen Fünf- tel seines Schaffens umfassende Gruppe verdeutlicht eindrücklich Emmeneggers kontinuierliche Auseinan- dersetzung mit reduzierten Bildmotiven und malerischer Konzentration. Zwei weitere angebotene Blumenstillleben (Lose 3053 und 3063) ergänzen diese Werkphase als spä- tere Ausprägung des Themas. Die frühen Stillleben zählen zu den überzeugendsten Bei- spielen einer zurückhaltenden, fein nuancierten Malerei. Auf der Grundlage einfacher Sujets, Früchte, sparsam auf neutralem Grund arrangiert, entwickelt Emmenegger eine bemerkenswerte formale Präzision. Die Objekte erschei- nen in einer nüchternen, beinahe neusachlich anmuten- den Formgewissheit, die an Vallotton erinnert, zugleich jedoch von einer eigentümlichen Intensität durchdrungen ist. Entscheidend ist dabei die ausgefeilte Lichtregie: präzi- se gesetzte Hell Dunkel Kontraste, reflektierende Oberflä- chen und fein abgestufte Schattenzonen strukturieren den Bildraum und erzeugen dichte visuelle Eindrücke. Die Kompositionen sind streng inszeniert und von kon- zentrierter Geschlossenheit. Raum und Gegenstand ste- hen in einem spannungsvollen Verhältnis von Flächigkeit und Plastizität. Gerade in dieser kontrollierten Reduktion entfalten die Bilder ihre suggestive Wirkung, die über das rein Gegenständliche hinausweist. In ihrer Klarheit und gleichzeitigen Irritation erinnern sie an die Stillleben Félix Vallottons, ohne jedoch deren dekorative Flächigkeit zu übernehmen. Emmeneggers Zugriff bleibt stärker auf die Wahrnehmung von Licht und Stofflichkeit gerichtet. ZWEI FRÜCHTESTILLLEBEN EINES LUZERNER MÄZENS
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