WORKS OF ART & DECORATIVE ARTS 17. SEPTEMBER 2026
Eine Sonderstellung innerhalb der ägyptischen Sepulkralkunst nehmen die auf Holz gemalten Mumienporträts ein, die ab Beginn der römi- schen Herrschaft in Ägypten aufkommen. Ihre aussergewöhnlich lebensnahe und individuel- le Wiedergabe der Verstorbenen übt bis heute eine besondere Faszination aus. Die in Enkaus- tik oder Tempera gemalten Bildnisse wurden über dem Gesicht der Mumie in die Leinenwick- lung eingefügt. Mumienportraits rückten gegen Ende des 19. Jahrhunderts in den Fokus der Öffentlichkeit. Ausschlaggebend dafür war vor allem der Wiener Kunsthändler und Sammler Theodor Graf (1840–1903), aus dessen Sammlung das vorliegende Portrait stammt. Graf, der in Kairo eine Handelsniederlassung betrieb und be- reits als Händler von Papyri, koptischen Textili- en und ägyptischen Altertümern bekannt war, erkannte früh die kulturhistorische Bedeutung dieser Funde. Durch eigene Nachforschungen und gezielte Ankäufe baute er eine umfangrei- che Sammlung von mehr als 330 Mumienpor- träts auf. Der überwiegende Teil stammte aus er-Rubayat, so auch dieses Portrait. Ab 1888 präsentierte Theodor Graf seine Sammlung in vielbeachteten Verkaufsausstel- lungen in Europa und den Vereinigten Staaten. Diese trugen wesentlich dazu bei, dass Mumi- enporträts Eingang in zahlreiche bedeutende Museums- und Privatsammlungen fanden und erstmals einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurden. CHF 15 000/25 000 (€ 16 300/27 170) Klaus Parlasca: Ritratti di Mummie. Rom 1980, Serie B, Vol. III., Nr. 663, S. 64, Abb. Tafel 16 (Zustand vor der Restaurierung). | 7
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