WORKS OF ART & DECORATIVE ARTS 17. SEPTEMBER 2026
1309 MARMORTORSO DES DIONYSOS Römisch, ca. 2. Jh. n. Chr. Nach dem Vorbild des "Tivoli-Di- onysos" aus Hadrianischer Zeit, ca. 120/140 n. Chr. Marmor vollrund gehauen mit Resten von Versinterungen. Torsofragment eines sanft-muskulösen und leicht im Kontrapost stehenden Dionysos mit diagonal geschul- terter Nebris. Teils sichtbare Eisennägel. Auf späterem, neoklassizistischem Marmorsockel montiert. H ohne Sockel 53 cm. Fragment. Provenienz: - Besitz Louis Hagner (1935–lebt im Tessin), Lugano, 1960–1972 (gem. Rechnungskopie Galerie Bader). - Freddie Küng Antiquitäten, Luzern, 1972–1976 (gem. Rechnungskopie Galerie Bader). - Galerie Bader, Zürich, 13.5.1977 (gem. Rechnungskopie). - Schweizer Privatbesitz, bei obiger Galerie erworben. Ein besonders enger Vergleich bietet der sogenannte "Tivoli-Dionysos", eine aus der Villa Adriana in Tivoli stam- mende Marmorstatue, die heute im Museo Nazionale Ro- mano (Palazzo Massimo alle Terme) in Rom aufbewahrt wird. Die ausgewogene Modellierung des Oberkörpers, die ruhige Körperhaltung sowie die über die linke Schulter gelegte Nebris zeigen auffallende Übereinstimmungen mit dem hier vorliegenden Torso. Auch die anhand der Bruch- flächen rekonstruierbare Armhaltung mit einem locker her- abhängenden rechten und einem vom Körper abgewinkel- ten linken Arm entspricht dem Typus des Tivoli-Dionysos. Ebenso sprechen die plastische Ausarbeitung der Drapie- rung, die Führung des Fells und die harmonischen Propor- tionen für eine enge typologische Verwandtschaft. Eine weitere bedeutende Wiederholung dieses Statuen-Typus befindet sich in Schloss Sanssouci in Potsdam. Die na- hezu vollständig erhaltene, im 18. Jahrhundert ergänzte Marmorstatue wurde 1742 von König Friedrich II. erwor- ben und dürfte ebenfalls auf den Typus des Tivoli-Dionysos zurückgehen. Die ikonographische Bestimmung des vorliegenden Tor- sos bleibt dennoch nicht eindeutig. Die über die Schulter gelegte Nebris, das Fell eines Rehs oder jungen Hirsches, gehört zu den charakteristischen Attributen des Dionysos beziehungsweise Bacchus. Zugleich begegnet uns dieses Attribut auch bei Faunen und Satyrn, sodass insbesondere bei fragmentarisch erhaltenen Skulpturen Überschneidun- gen in der ikonographischen Deutung auftreten können. Die idealisierte Körperauffassung, die ausgewogenen Pro- portionen sowie die mit dem Tivoli-Dionysos übereinstim- mende Armhaltung sprechen im vorliegenden Fall jedoch eher für die Darstellung des Gottes selbst als für einen Sa- tyr oder Faun. CHF 40 000/60 000 (€ 43 480/65 220) 8 |
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