WORKS OF ART & DECORATIVE ARTS 17. SEPTEMBER 2026

1386 BEDEUTENDE STEINKABINETT-BONBONNIERE Dresden, um 1785/90. Von Johann Christian Neuber (1736–1808). Gold und Steineinlagen in konzentrisch angeordneten Strahlen. Der Deckel mit Reliefmosaik in Form eines Blumenbouquets in Vase umrahmt von Bergkristall-Fries mit hinterlegter Silberfolie als Perlen-"Trompe-l'Œuil". Die Steinsegmente nummeriert von 1–57. Der innere Goldring des Bodens mit einer geritzten Inventarnum- mer No. 2. Ø 6,1 cm, H 2,1 cm. Provenienz: - George Agath, Breslau, ca. 1885. - Rudolph Lepke's Kunst-Auctions-Haus, Berlin, Kunstschätze aus der Villa George Agath, Breslau, 22./23.11.1906, Lot 129, Tafel XIII. - durch Erbfolge in heutigen Schweizer Privatbesitz. Literatur: - Marc Rosenberg: Der Goldschmiede Merkzeichen. Frankfurt 1923, Bd. 2, S. 53 m/n (namentliche Erwähnung, Literaturangabe gem. Alexis Kugel). - Walter Holzhausen: Johann Christian Neuber. Dresden 1935, Nr. 15 mit Abb. - Alexis Kugel: Gold, Jasper and Carnelian. Johann Christian Neu- ber at the Saxon Court. London 2012, S. 367, Nr. 179. Johann Christian Neuber (1736–1808) zählt zu den herausragen- den Goldschmieden und Juwelieren des europäischen Klassizis- mus. Nach seiner Ausbildung in Dresden wurde er 1769 Direktor des Grünen Gewölbes und 1775 zum Hofjuwelier des sächsischen Kurfürsten Friedrich August III (1750–1827) ernannt. In dieser Doppelfunktion als Goldschmied, Hofkünstler und Kenner der sächsischen Mineralienvorkommen schuf er eine Werkgruppe, die in ihrer Verbindung von Goldschmiedekunst, Naturwissenschaft und ästhetischer Perfektion einzigartig ist. Seine mit Achaten, Jaspissen, Karneolen, Amethysten, Chalcedonen und zahlreichen weiteren Hartsteinen ausgestatteten Zierdosen gehören heute zu den charakteristischen Erzeugnissen der Dresdner Hofkunst des späten 18. Jahrhunderts. Exponate Neubers sind unter anderem im Grünen Gewölbe in Dresden, im Metropolitan Museum of Art in New York, im Cleveland Museum of Art sowie im British Museum vertreten. Besondere Berühmtheit erlangten Neubers sogenannte "Steinka- binett"-Dosen, deren Oberflächen aus einer Vielzahl exakt zuge- schnittener Hartsteine bestehen, die mittels feinster Goldstege zu ornamentalen Kompositionen zusammengesetzt sind. Neuber wird die Entwicklung dieser lapidaren "Zellenmosaik"-Technik zugeschrieben. Diese Objekte dienten nicht allein als luxuriöse Gebrauchsgegenstände, sondern zugleich als portable Minerali- enkabinette, welche den zeitgenössischen Sammlergeist der Auf- klärung widerspiegeln. Sie verbanden wissenschaftliche Neugier mit virtuoser Goldschmiedetechnik und erlaubten ihrem Besitzer, die Vielfalt der sächsischen Mineralien in kostbarster Form zu präsentieren. Neubers Arbeiten stehen dabei in der Tradition der Dresdner Kunstkammer und der reichen kurfürstlichen Mineralien- sammlungen, zugleich greifen sie die damals verbreitete Mode der Kuriositätenkabinette auf. Die Idee, Mineralien nicht lediglich als Rohmaterial, sondern als eigenständige ästhetische Kunstobjekte zu präsentieren, bildet somit das eigentliche Fundament seines Schaffens. Rudolph Lepke's Kunst-Auctions-Haus, Berlin: Kunstschätze aus der Villa Ge- orge Agath, Breslau: kunstgewerbliche Arbeiten der Gotik und Renaissance, 22./23.11.1906, Lot 129, Abb. Tafel XIII. Quelle: Universitätsbibliothek Heidelberg.

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