WORKS OF ART & DECORATIVE ARTS 17. SEPTEMBER 2026
Die vorliegende Bonbonniere gehört einer von Alexis Kugel (Ver- fasser des Werkverzeichnisses von Neubers Kreationen) definier- ten, seltenen Gruppe kreisrunder "Steinkabinett"-Dosen mit Stein- einlagen in strahlenförmig konzentrischer Anordnung, welche im Zeitraum zwischen 1785–1795 entstanden. Charakteristisch ist die streng geometrische Gliederung der Oberfläche durch Stein- segmente, deren einzelne Kompartimente fortlaufend nummeriert sind. Die Nummerierung verweist auf den ursprünglich zugehöri- gen, handschriftlichen Bestimmungskatalog, den Neuber seinen Dosen beilegte. In diesem wurden sämtliche Steine mit ihrer mi- neralogischen Bezeichnung und häufig auch ihrer Herkunft er- läutert, sodass die Objekte gleichermassen als wissenschaftliche Referenzsammlungen und repräsentative Kunstwerke verstanden werden konnten. Für die Ausführung der anspruchsvollen Steinar- beiten arbeitete Neuber mit den führenden Dresdner Steinschnei- dern zusammen. Eine Schlüsselrolle spielte dabei Johann Georg Stiehl (1725–1802), der seit 1764 als Hofsteinschneider tätig war und zu den bedeutendsten Virtuosen seines Fachs gehörte. Zwar ist eine formelle Werkstattgemeinschaft nicht nachweisbar, doch gilt eine enge Zusammenarbeit aufgrund der Überschneidungen in Material, Technik und der auftraggebenden Klientel als sehr wahrscheinlich. Eine nahezu identische Bonbonniere aus derselben ehemaligen Sammlung des Breslauer Kunstsammlers George Agath wurde in der Versteigerung der "Kunstschätze aus der Villa George Aga- th, Breslau" bei Rudolph Lepke in Berlin im Jahre 1906 angeboten und erschien 2012 erneut auf einer Auktion bei Christie's London (Auktion, 28.11.2012, Lot 552). Die gemeinsame Provenienz un- terstreicht die enge Verwandtschaft beider Dosen und legt nahe, dass sie bereits innerhalb der eklektischen Agath-Sammlung als zusammengehörige Arbeiten wahrgenommen wurden. Obwohl über George Agaths Leben wenig bekannt ist, wissen wir aus dem Auktionskatalog von Rudolph Lepke 1906, dass ein weiteres Mini- aturmedaillon mit Steinmosaik, welches von Alexis Kugel ebenfalls Neuber zugeschrieben wird, Teil der Sammlung Agath war. CHF 100 000/180 000 (€ 108 700/195 650)
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