FASZINATION FAYENCE DIE SAMMLUNG DR. PETER DUCRET 17. SEPTEMBER 2026

Das Clemenswerther Jagdservice Das berühmte Service, von welchem eine bemerkenswerte Zahl und Vielfalt an Stücken in diesem Katalog vertreten ist, erfreut mit seiner Farbigkeit, feiner Bemalung und erfinderischen Kreativität bis heute das Auge. Das Clemenswerther Jagdservice wur- de im Auftrag des Kölner Kurfürsten Clemens August (1700–1761) von der Fayencemanufaktur Strasbourg, unter Paul Hannong, hergestellt. Da die ligierte PH-Marke (Verwendung ab 1754) auf den Stücken fehlt und das Service nachweislich bereits bei der Herbstjagd 1751 in Gebrauch war, wird seine Entstehung zwischen 1745 und 1754 angesetzt. Die Namensgebung des Services geht auf den Bestimmungsort, das Schloss Clemenswerth im Emsland zurück, dessen Er- richtung von 1737–47 der Herstellung des Fayenceservices vorausging. Es sollte dem Kurfürsten als naturnaher Erholungsort aber viel wichtiger noch, in Anbetracht des beliebten Jagdgebiets, als Sitz für das jagdliche Vergnügen und die Veranstaltung von Jagdbanketten dienen. In diesem Sinne verkörpert das Service die ländliche Umgebung mit seinen Schaugerichten in Tier-, Früchte- und Gemüseform, erfüllt zugleich aber auch die barocke Freude für das Spiel mit Schein und Wirklichkeit. Solche Schaugerichte galten, ganz im wörtlichen Sinne, den Augen und wurden neben den essbaren Gerichten auf einer festli- chen Tafel serviert. Der Ursprung geht zurück ins 17. Jh., als kultiviertere Tischsitten aufkamen und prunkvolle Tischdekorationen der Repräsentation von Reichtum und Status dienten. Viel wichtiger für den Werdegang der Trompe-L’oeil Terrinen sind jedoch die damaligen Schauessen. Hierbei wurde das Essen mit Federn oder Fell geschmückt, um das ursprüngliche Tier wiederzu- geben. Ab dem 18. Jh. verwandelten sich diese geniessbaren, jedoch vergänglichen Schaugerichte in dekorative, beständige Stücke aus Porzellan und Fayence, wobei der Inhalt bereits durch die äussere Form ankündigt wurde. Diese Terrinen wurden mit weiteren Platten und Schüsseln, in symmetrischer Anordnung, auf der gedeckten Tafel aufgereiht. Dies entsprach dem "Service à la française", bei welchem das Öffnen der Terrinen und das Zerschneiden des Fleisches zum Zeremoniell gehörten. Das "Service à la française" ist also gegensätzlich zum heute üblichen "Service à la Russe" (seit 19. Jh.), bei welchem die einzelnen Bestandteile eines Gangs bereits auf einem Teller zurechtgeschnitten und angeordnet serviert werden.

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