FASZINATION FAYENCE DIE SAMMLUNG DR. PETER DUCRET 17. SEPTEMBER 2026

Manufaktur Stasbourg-Haguenau 1721–1784 Drei Generationen der Familie Hannong prägten die Entwicklung der Manufaktur Strasbourg: Charles-François Hannong (um 1669–1739), sein Sohn Paul-Antoine (um 1669–1760) sowie dessen Sohn Joseph (1734–nach 1800). Der hohe Qualitätsanspruch, die kreative Ästhetik und der Erfindergeist begründeten den Erfolg der Manufaktur. Die Gründung der Fayence-Manufaktur erfolgte 1721 durch den Tonpfeifenmacher Charles-François Hannong ge- meinsam mit Johann Heinrich Wachenfeld (1694–1725), "Faïencier" aus Ansbach. Bereits 1722 verliess Wachenfeld Strasbourg, verkaufte seinen Anteil an Hannong und gründete eine neue Fayencemanufaktur in Durlach. Die frühen Strasbourger Service-Stücke wurden in Scharffeuer-Technik bei ca. 1000° ("Grand Feu") hergestellt. Die Dekorpalette beschränkte sich somit zuerst auf Kobaltblau, später kamen Kupfergrün, Mangan, Eisenrot und Antimongelb hinzu. Der wirtschaftliche Erfolg erlaubte es Hannong 1723/24 eine zweite Stätte in Haguenau zu gründen. Während der Standort in Strasbourg vorwiegend als Handels- und Direktionsstandort fungierte, lag der Fokus in Haguenau auf der Produktion. 1730 übergab Charles-François die Leitung der Manufaktur an seine Söhne Balthazar und Paul(-Antoine). Die beiden Standorte liessen sich ideal auf die zwei Brüder aufteilen. Balthazar verkaufte seinen Anteil 1738 an Paul. Mit Paul Hannong begann die eigentliche Blütezeit der Manufaktur. Mit der Aufglasurmalerei mit Muffelfarben und ei- nemweiteren Brand im "Petit Feu" bei ca. 600–800°, erweiterte sich die Farbpalette und erlaubte das Ausführen feinster Dekore. Gleichzeitig entstanden innovative Formen, wie Kleinplastiken und Schaugerichte (bspw. jene aus dem Cle- menswerther Service) und trugen dank ihrer Beliebtheit zum Erfolg der Manufaktur bei. Zudem trat 1749 der in Meis- sen geschulte Adam Friedrich von Löwenfinck (1714–1754) mit seiner Frau Maria Seraphia (1728–1805) und seinem Bruder Christian Wilhelm (1720–1753) in der Strasbourger/Haguenauer Stätte ein. Unter dem Einfluss von Adam Friedrich von Löwenfink, der die Leitung in Haguenau übernahm, entstanden Fayencen feinster Bemalung. Einen weiteren Erfolg erzielte Paul Hannong mit der erstmaligen Herstellung von Hartporzellan in Frankreich. Allerdings musste er diese Produktion wegen der Monopolstellung von Vincennes/Sèvres nach Franken­ thal verlegen, wo er eine neue Manufaktur gründete. Joseph Hannong übernahm nach Pauls Tod die Leitung der Manufaktur ab 1762. Charakteristisch für seine Fayencen sind Blumenbouquets, welche auf Dekore seines Vaters resp. Druckgraphiken zurückgehen. Auch Chinoiserie-Dekore, welche nur zurzeit der "Grand-Feu"Technik verwendet wurden, erlebten mit Joseph eine neue Blüte. Schliesslich zwang eine hohe Verschuldung Joseph dazu, 1781 den Betrieb aufzugeben. Die Manufaktur wurde 1784 geschlossen. 8 |

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