Koller View 3/21

9 Bernardo Bellotto Diese seltene Ansicht von München vom Gasteig aus gesehen wurde jüngst in einer Privatsammlung wiederentdeckt. Bernardo Bellotto, der sich wie sein be- rühmter Onkel Giovanni Antonio Canal Canaletto nannte, malte zunächst in sei- ner italienischen Heimat, später in Dres- den unter der Ägide des sächsischen Kurfürsten Friedrich August II. Während seiner Münchner Zeit in den 1760er- Jahrenschuf der KünstlermehrereStadt- ansichten im Auftrag von Maximilian III. Josef Kurfürst von Bayern. Bernardo Bellotto, genannt Canaletto (1722–1780), und Lorenzo Bellotto (1744–1770). Blick auf München von Osten. Um1762–1767. Öl auf Leinwand. 69 × 119 cm. Schätzung auf Anfrage Cornelis Bega Bega wächst in einem von Kunst geprägten Umfeld auf und wird ab 1654 als Mitglied der Haarlemer Malergilde geführt. Sein Ruf gründet auf dem überragenden Kolorit und dem sublimen Duktus seiner Gemälde. Die hier dargestellte junge Dame steht Bega mehrfach Modell. Die geöffnete Jacke der jungen Frau, die sich gerade ein Glas eingeschenkt hat, ver- weist auf ihre Rolle als Kurtisane. Das Tischchen imVordergrund und die Majolikakanne stellt Bega auch in anderenWerken dar. Besonderer Erwähnung wert ist die adlige Provenienz die- ses vorzüglichen Bildnisses: Pierre Marquis du Colbert (1834–1905) residierte auf Château de Saussay. 1911 ging sein Besitz von seiner Tochter an die Familie Bourbon Busset über, die das herrschaftliche Schloss bis heute bewohnt. Cornelis Bega (1631/32–1664). Junge Frau in einem Interieur, ein Glas haltend. Öl auf Leinwand. 26,7 × 22,2 cm. Schätzung: CHF 150 000/200 000 Govaert Flinck Unter jenen Künstlern, die in Amsterdam zum Umkreis Rembrandts zählen, gehört Goevart Flinck zu den begabtesten. Er adaptiert die Handschrift seines Meisters virtuos und emanzipiert sich im Laufe seines Schaffens mehr und mehr. 1635/36 war Flinck Rembrandts Schüler, anschliessend etabliert er sein eigenes Atelier. Ne- ben demDuktus übernimmt Flinck auch den Bildtypus der Tronie in sein Repertoire, eine Form des Bildnisses, das keine realistische Darstellung eines Modells sein soll, sondern exemplarisch für einen bestimmten Charakter steht. Das vorliegende Motiv des bärtigen alten Mannes nimmt Idealbilder der biblischen Geschichte auf. Der hier Dargestellte wird nicht durch Attribute gekennzeichnet, könnte aber für einen der Propheten stehen. Offenbar arbeiten Rembrandt, Flinck und ihre engen Malerkollegen in jenen Jahren mit demselben Modell, das sich auf verschiedenen anderen Gemälden wiedererkennen lässt. Zugleich steht das jetzt angebotene Bild aus demSpätwerkmit einem locker-flüssigen Pinselstrich für die zunehmende Ab- lösung Flincks vom Stil seines berühmten Lehrers. Govaert Flinck (1615–1660). Tronie eines bärtigen Mannes. 1650. Öl auf Leinwand. 61,5 × 50,7 cm. Schätzung: CHF 700 000/900 000 FÜR WEITERE INFORMATIONEN GEMÄLDE ALTER MEISTER Karoline Weser weser@kollerauktionen.ch ONLINE-KATALOGE www.kollerauktionen.ch

RkJQdWJsaXNoZXIy MTU2