Koller View 4/21
12 Vorschau auf die Auktion Schweizer Kunst vom 3. Dezember 2021 Hodler amWasser, Anker in Ins 1 F erdinand Hodler (1853–1918). Aarelandschaft bei Thun. Um 1880. Öl auf Leinwand. 57 × 72 cm. Schätzung: CHF 300 000/500 000 2 F erdinand Hodler (1853–1918). Weiden am Genfer- see. Um 1882. Öl auf Leinwand. 32,5 × 40,7 cm. Schätzung: CHF 130 000/180 000 3 Albert Anker (1831–1910). Mädchen mit zwei Katzen. 1888. Öl auf Leinwand. 65,5 × 43 cm. Schätzung: CHF 1 500 000/2 000 000 FÜR WEITERE INFORMATIONEN SCHWEIZER KUNST Laura Koller lkoller@kollerauktionen.ch ONLINE-KATALOGE www.kollerauktionen.ch In den Jahren 1878/79, also noch früh in seiner aus- sergewöhnlichen Karriere, unternahmFerdinand Hod- ler eine Studienreise nach Spanien. Auf der iberischen Halbinsel widmete er sich eingehend der Malerei von Velasquez, Tizian, Rubens, Ribera und anderen Meis- tern. Bereits zuvor begegnete der Künstler in Paris den Werken von Mantegna, noch mehr aber beschäftigten ihn die Beispiele der jüngeren französischen Kunst, vor allem die Bildfindungen und Stilmittel der Schule von Barbizon, die er im Louvre zu sehen bekam. Im Anschluss an diese Reisen und nicht zuletzt beein- flusst von seinem Schweizer Lehrer, dem Corot-Ver- ehrer Barthélemy Menn, widmete sich Hodler intensiv der Freilichtmalerei. «Aarelandschaft bei Thun» (Abb. 1), zu der sich auch eine hübsche Sepiaskizze er- halten hat, entsteht bald nach Hodlers Rückkehr aus Spanien in der Zeit um 1880, die «Weiden amGenfer- see» (Abb. 2) zwei Jahre darauf. Für seine in die Tiefe gestaffelte Bildkomposition der Aare nimmt Hodler klassische Darstellungen aus dem 17. Jahrhundert auf, etwa von Claude Lorrain oder Nicolas Poussin. Das Schweizer Kunstpublikum begegnete Hodlers Aarelandschaft im Rahmen der «Permanenten Aus- stellungen» der Société de l’exposition permanente (Amis des beaux-arts), die für diese Sonderschauen zeitgenössischer Kunst das Palais de l’Athénée inGenf anmietete. Hodler zählte zwischen 1875 und 1891 zu den häufig vertretenen Künstlern dieser sorgfältig ku- ratierten Gruppenausstellungen; in jene Jahre fallen auch seine ersten internationalen Erfolge. Albert Ankers Mädchenbildnis mit zwei Kätzchen (Abb. 3) aus dem Jahr 1888 zeigt sich sowohl im länd- lichen Motiv und der konzentriert-strengen Bildanla- ge wie auch im Duktus dieses Genrebildes aus dem sommerlichen Familienalltag in Ins als für den Künstler typisches Werk von musealer Qualität. Ankers künst- lerisches Vermögen, mit überaus weichem Licht eine unglaublich plastische, beinahe materiell greifbare Darstellung zu erreichen, zeichnet ihn unter seinen Zeitgenossen besonders aus. 1 2
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