Koller View 2/21

15 FÜR WEITERE INFORMATIONEN POSTWAR & CONTEMPORARY Silke Stahlschmidt stahlschmidt@kollerauktionen.ch ONLINE-KATALOGE www.kollerauktionen.ch Organisches Mosaik Vorschau auf die Auktion PostWar & Contemporary vom 1. Juli 2021 Mit «Adsum qui feci» schuf Jan Fabre ein Unikat der besonderen Art: Das grossformatige Mosaik ist zu- sammengesetzt aus Tausenden Chitin-Panzern von Käfern, die je nach Beleuchtung und Blickwinkel irisie- rend schillern. Der 1958 in Antwerpen geborene Fabre zählt zu den innovativsten und vielfältigsten Künstler- persönlichkeiten der zeitgenössischen Kunstszene. Das hier angebotene Werk wirkt beinahe immateriell, wird zumgrossen Lichtreflex inGrün, Blau undOrange. Mit seiner durchaus barocken Wahl der Mittel nimmt er nicht zufällig Bezug auf die Malergiganten seiner Heimatstadt – von Rubens bis Jordaens. Zugleich ver- weist sie auf seinen engen Naturbezug, den er als stu- dierter Botaniker hat. Die die Leinwand bedeckenden Panzer von Käfern formen eine Uhr, die den Übergang zwischen der irdischen Dimension zum ewigen Leben symbolisiert. Die flankierenden Hunde könnten für Loyalität, Hingabe und vielleicht auch Unterwerfung stehen. Sowohl das Material als auch die Bildsprache verweisen auf Fabres zentrales Thema – er zeigt dem Betrachter die fortwährenden Metamorphosen des Natürlichen als Vorboten der Vergänglichkeit des Le- bens. Peter Fischli und David Weiss transformieren un- scheinbare Alltagsgegenstände, wie eine Backstein- mauer («Wall»), in eine 24-teilige Werkreihe schwarz glänzender Gummigüsse, die sie 1986/87 unter dem Titel «Rubber Sculptures» dem Publikum präsentie- ren. Herausgelöst aus dem ursprünglichen Kontext und übersetzt in ein fremdes Material, entwickeln die Alltagsobjekte ein autonomes Leben als Kunstwerke. Markus Lüpertz’ in Bronze gegossene plastische Arbeiten changieren dank ihrer expressiven farbigen Fassungen zwischen Malerei und Bildhauerei, hier werden die Oberflächen zu dreidimensionalen Mal- gründen. Ihre enorme physische Präsenz entspringt den archaisch-rohen Formen, einer monumentalen Haltung auch in kleineren Formaten und dem unmit- telbaren und eindringlichen Blickkontakt zwischen Objekt und Betrachter. Unverkennbar ist die tiefe Ver- ankerung von Lüpertz’ Bildwelt in tradierten Vorlagen aus der hellenischen Antike, die er aber nicht repetiert, sondern virtuos und zugleich ruhelos bricht. Auf diese Weise wirft der Künstler Fragen nach den Schönheits- idealen unserer Zeit auf. Eine starke Identifikation mit antiken Mythen und der klassischen Philosophie des alten Griechenlands prägt auch die Arbeit von Theodoros Stamos, einem Amerikaner mit griechischen Wurzeln, der zur ersten Generation der Abstrakten Expressionisten zählt. Seine über Jahrzehnte verfolgte ausdrucksstarke Farbfeldmalerei mündet in die «Infinity Fields» seines Spätwerks, das in der Juli-Auktion mit einem gross- formatigen Bild aus der Werkreihe «Lefkada» vertre- ten ist. Mit ihren freieren Flächen und dynamisch ein- gesetzten Linien wirkt diese Serie weniger streng als frühere Arbeiten, wie etwa die «Sun Boxes» der Sech- zigerjahre. Jan Fabre (geb. 1958). Adsum qui feci. 2016. Käferpanzer auf Leinwand. 164 × 220 cm. Schätzung: CHF 100 000/150 000 © 2021, ProLitteris, Zurich

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