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8 Ossip Zadkine 1890, als Rodins Kussmodell (S. 7) schon für Furore sorgte, kamOssip Zadkine erst auf die Welt und zwar im Russischen Kaiserreich. Ob seine Begeisterung für Rodins künst- lerische Arbeit der entscheidende Impuls war, bleibt offen. Jedenfalls gab Zadkine sein Debut als ausstellender Bildhauer im Pariser Herbstsalon des Jahres 1911. «Les trois grâces» entstand 1926, als der geboreneWeissrusse bereits einen französischen Pass auf sich trug. Die Gruppe der drei Frauen ist eine seiner früheste Arbeit in Bronze, zu- vor hatte er vor allem mit Stein und Holz gearbeitet. Zu den im Material begründeten Eigenheiten der Zadkinschen Formen zählen konvex-konkave Elemente oder die ein- geschnittenen Linien an der Oberfläche, die sanfte Bezüge zu kubistischen Vorbildern herstellen. Diese Bronze, das erste von nur fünf gegossenen Exemplaren, ist die ein- zige aus dem Jahr 1926 und blieb lange in Besitz von Zadkine selbst, bevor sie in den Handel kam. Les trois soeurs ou les trois grâces ou les trois belles ou les trois amies. 1926. Guss von 1926. Bronze, dunkelbraune Patina. H 53 cm. Schätzung: CHF 200 000/300 000 © 2021, ProLitteris, Zurich Odyssee eines Heckel-Porträts Die 1891 geborene Milda Georgi legte sich als Tänzerin den Künstler- namen Sidi Riha zu, genannt wurde sie Siddi. Erich Heckel heiratete sie 1915, also nur kurze Zeit, nachdem das vorliegende Bildnis von ihr ent- stand. Bis an sein Lebensende 1970 blieben Heckel und Riha ein Paar, während das Gemälde eine jahrzehntelange Irrfahrt durchmachte. In seine Entstehungszeit amVorabend des ErstenWeltkriegs fällt nicht nur die Auflösung der legendären Künstlergruppe «Brücke», der Heckel als einer ihrer Gründer angehörte, sondern auch eine längere Malaise von Siddi, die im Spätsommer 1913 lange das Krankenbett hüten musste. Heckels gleichwohl ungebrochenes künstlerisches Schaffen jener Zeit spiegelt die Krise mit einer düsteren Palette. Zugleich eröffnete der Künstler seine erste Einzelausstellung in der Berliner Galerie Fritz Gurlitt. Das Bildnis von 1914 erlebte eine Odyssee, die deutsche Geschichte reflektiert. Erster Besitzer der «Frau am Tisch» war der jüdische Unter- nehmer, Sammler und Mäzen Alfred Hess, der bis zu seinem Tod 1931 eine exzellente Sammlung deutscher Expressionisten zusammentrug, darunter zehn Heckel-Werke. Tekla Hess, die Witwe des Sammlers, und ihr Sohn sahen sich im Sommer 1933 gezwungen, fast 100 Werke, darunter ca. 60 Gemälde, auf Freipass in die Schweiz zu transferieren. Dort wurden sie in Basel und Zürich ausgestellt und so vorerst vor dem Zugriff der Nationalsozialisten geschützt. Im März 1937 reisten das Siddi-Bildnis und 69 weitere Werke wieder zurück nach Deutschland, genauer zum Kölnischen Kunstverein, wo sich schon Ernst Ludwig Kirchners berühmtes Figurenbild «Berliner Strassenszene» befand, das in der Sammlung Carl Hagemann, später beim Land Berlin landete und 2006 restituiert und anschließend für 38 Millionen US-Dollar ver- kauft wurde. Tekla Hess emigrierte nach England, wohin auch ein Teil der Sammlung gerettet werden konnte. Ein anderer Teil blieb in Deutsch- land zurück und ging dort verloren. In einer in Köln verwahrten Kiste überstand neben anderen Arbeiten «Frau am Tisch» einen Bomben­ angriff und später eine Überschwemmung und landete schliesslich beim Kunstmaler Peter Herkenrath – ob auf legalemWeg, blieb allerdings un- klar. In den 1970er-Jahren tauchte das damals als verschollen geltende Ölbild erstmals wieder auf. Nun wird es in Zürich zur Auktion aufgerufen und sein Verkauf wird im Rahmen einer fairen und gerechten Lösung mit den Hess-Erben in Anlehnung an die Washington Principles ermöglicht. Erich Heckel. Frau am Tisch. 1914. Öl auf Leinwand. 64 × 38,5 cm. Schätzung: CHF 300 000/500 000 © 2021, ProLitteris, Zurich

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