Koller View 2/21

9 Im April 1914 reiste Klee für drei Wochen nach Tune- sien, um zu malen. Seine Begleiter waren der Deut- sche August Macke und der Schweizer Louis Moilliet, Künstlerkollegen aus der gleichenGeneration, dieKlee ein Jahr zuvor in Hilterfingen am Thunersee kennen und schätzen gelernt hatte. Der Impuls für die künst- riser Galerie Vavin-Raspail zeigte 39 seiner Aquarelle. In Klees tektonischen Abstraktionen klingen medi- terrane Motive an, man meint Segelboote oder Zelte, Strandlandschaften und Wellen wiederzuerkennen. Zugleich repräsentiert das in geometrischen Formen und kräftigen Farben komponierte Bild starke und un- verkennbare Einflüsse des Bauhauses. Die Gouache «Bergschlucht» von 1934 (Abb. 3) steht exemplarisch für den Wandel der Farbstimmung und der Formenwelt in Klees Spätwerk. Seine Sujets er- scheinen nun viel weicher und pudriger als zuvor, dabei weiter in suggestiver Abstraktion; die geometrische Strenge ist inzwischen offeneren Formen gewichen. Zwischen Tunis und Dessau lerische Exkursion in exotische Gefilde der klassischen Grand Tour ging von Klee aus. Sichtbare Spuren hat sie im künstlerischen Schaffen aller drei Beteiligten hinterlassen. Sie gilt heute als Meilenstein der Kunst- geschichte der Moderne auf dem Weg vom Expres- sionismus zur gegenstandslosen Malerei. Klee, Macke und Moilliet malten unter anderem in Tunis, Hamma- met und Kairouan. Die dort wahrgenommenen und in die eigenen Motivwelten einbezogenen Formen, Stimmungen und insbesondere die leuchtenden Far- ben klingen bei Klee fast noch ein Jahrzehnt nach, so in der jetzt angebotenen «Kleinen Landschaft» von 1915 (Abb. 2), dessen Entstehung unmittelbar an die Tunisreise anknüpft. Hier gelingt ihm die künstlerische Metamorphose, das Ineinandergreifen und gegen- seitige Beeinflussen verschiedener Bildkonzepte. Eigener Aussage zufolge nahm er in jenen Jahren die «Synthese Städtebauarchitektur – Bildarchitektur» in Angriff. Klees sommerlich-verspieltes Motiv «Côte de Pro- vence» (Abb. 1) entstand – als Teil einer siebenteili- gen Bildreihe – 1927 und fällt damit in die wichtigen, von Walter Gropius angeregten Bauhaus-Jahre des Künstlers. Bereits zwei Jahre zuvor konnte Klee seine erste Einzelausstellung in Frankreich eröffnen, die Pa- FÜR WEITERE INFORMATIONEN IMPRESSIONISMUS & MODERNE Jara Koller jara.koller@kollerauktionen.ch ONLINE-KATALOGE www.kollerauktionen.ch 1 P aul Klee (1879–1940). Côte de Provence 5. 1927. Aquarell auf Papier auf Künstlerkarton. 11,4 × 32 cm. Schätzung: CHF 220 000/300 000 2 P aul Klee (1879–1940). Kleine Landschaft, Hauptsäch- lichmit Farb=Quadraten. 1915. Aquarell und Bleistift über Kreidegrundierung auf Papier auf Künstlerkarton. 13,5 × 11,5 cm. Schätzung: CHF 250 000/350 000 3 P aul Klee (1879–1940). Bergschlucht. 1934. Gouache und Kreide auf grundiertem Papier auf Künstlerkarton. 37,4 × 49,3 cm. Schätzung: CHF 350 000/400 000 1 2 3

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