KOLLER View 1/22
16 INTER Welche berühmten Namen aus Impressionismus und Moderne tauchten in den Koller-Auktionen der letzten Jahre auf? CK: Fast vollzählig ist die Liste der französischen Im- pressionisten, die wir bereits in unseren Auktionen anbieten durften: Monet, Pissarro, Renoir, Sisley, Cail- lebotte. Dazu kamen Werke von Signac, van Gogh, van Dongen, Matisse, Dufy, Utrillo, Vlaminck, Derain und Picasso. Auch das deutsche Who is Who der klassischen Moderne war schon zu Gast an unseren Versteigerungen. Dazu zählen Liebermann, Corinth, Jara und Cyril Koller über die Abteilung Impressionismus und Moderne Eine Familienangelegenheit Kirchner und Heckel, Beckmann, Nolde und Macke. Die Liste weiterer grosser Namen liesse sich noch eine Weile fortsetzen, Cézanne, Dalí, Miró, Jawlensky, Kandinsky sind einige davon. Welches davon ist Ihr persönlicher Favorit? CK: Mein Favorit ist ein grossformatiges Frauenporträt von Alexej von Jawlensky, das mir vor mehr als zwan- zig Jahren in einer unauffälligen Wohnung ganz über- raschend zur Auktion angeboten wurde. Ich war jung und diese Entdeckung gehörte zu meinen ersten, was sie in meiner Erinnerung besonders wertvoll macht. JK: Ich habe ein paar Lieblingsobjekte, eines davon ist aber sicher die rote Ägypterin von Kees van Dongen. Wir hatten eine Papierdokumentation mit kleinen Ab- bildungen in schlechter Auflösung von ein paar schö- nen Gemälden erhalten und daraufhin habe ich einen Termin vereinbart. Wir sind zu dritt mit Ausrüstung, Lampen etc. drei Stunden in die Westschweiz gefah- ren. Dort angekommen, standen wir vor einemgrauen Betonblock mit nicht sehr geräumig wirkenden Woh- nungen. Ich hatte kurze Zeit Panik, dass es sich viel- leicht um Kunstdrucke handeln könnte und wir ver- geblich gekommen wären. Als wir die kleine Wohnung betraten, wurden wir schnell eines Besseren belehrt: An der Wand hing – inmitten einer Reihe von fünf wei- teren van Dongens – diese expressive, rote Ägypterin. Van Dongen gehört zu meinen Lieblingskünstlern und das war ein toller Anblick! Welche Anstrengungen unternimmt Koller, um die Provenienz von Kunstwerken zu ermitteln? CK: Wir prüfen die Herkunft der uns angebotenen Kunstwerke anhand von vorhandenen Dokumenten, zum Beispiel Quittungen etc., der neusten Litera- tur wie Werkverzeichnisse oder Ausstellungskata- loge, dem Art Loss Register, der grössten Datenbank für abhanden gekommene Kunstwerke, und dem LostArt, der Datenbank der während der NS-Dikta- Vincent Van Gogh. Pont de Clichy. Öl auf Leinwand. 55 × 46 cm. 2013 für CHF 6,5 Mio. an internationale Privatsammlung versteigert. Emil Nolde. Doppelbild (Sie seltsames Licht). 1918. Öl auf Leinwand. 60,6 × 56,2 cm. 2018 für CHF 1 Mio. an Schwei- zer Privatsammlung versteigert. Impressionismus und Moderne Kunst ist seit der Gründung des Hauses vor über 60 Jahren ein fester Bestandteil der Koller-Auktionen. Heute wird diese Abteilung von der zweiten und dritten Generation der Familie Koller, Cyril und Jara Koller, geleitet, und die Auktionen finden zweimal im Jahr statt. Im folgenden Interview sprechen die Kollers über den Kunstmarkt, ihre persönlichen Vorlieben und darüber, wie es ist, als Vater-Tochter-Team zu arbeiten. ©No lde Stiftung, Seebüll
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