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17 FÜR WEITERE INFORMATIONEN IMPRESSIONISMUS & MODERNE Cyril Koller und Jara Koller jara.koller@kollerauktionen.ch www.kollerauktionen.ch tur gestohlenen oder unter Druck verkauften Kunst. Stossen wir auf Ungereimtheiten wie beispielsweise auf einen Besitzerwechsel eines Gemäldes aus ei- ner jüdischen Sammlung während der Zeit zwischen 1933 und 1945, kann die Komplexität weiterführender Recherchen zum Zuzug einer professionellen Pro- venienzforscherin führen. Im Falle von Liebermanns Studie der «Netzflickerinnen», die schliesslich von der Hamburger Kunsthalle erworben wurde, suchten wir über ein Jahr lang nach den überlebenden Erben der jüdischen Sammlerin, die das Bild zur Finanzierung ih- rer Flucht in die USA 1942 über einen Kunsthändler in der Schweiz verkaufen liess. Ohne die Ergebnisse un- serer Provenienzforschung hätte die Kunsthalle einen Ankauf nicht einmal in Erwägung gezogen. Wie unterscheidet sich der Markt für Impressionis- mus und Moderne von dem für Schweizer Kunst? Und was verbindet sie? CK: Eng verbunden sind die beiden Märkte natürlich durch die Gleichzeitigkeit der Entstehung der ange- botenen Werke. Darüber hinaus hatten die europäi- schen Kunstzentren und einzelne Künstlerpersönlich- keiten grossen Einfluss auf das Kunstschaffen in der Schweiz. Viele der in unseren Auktionen für Schweizer Kunst angebotenen Werke sind Teil der klassischen Moderne. Verschieden sind vor allem die Vorbereitun- gen der beiden Auktionen. Echtheitsabklärungen und Provenienzrecherchen im Bereich der klassischen Moderne sind sehr viel komplizierter und zeitauf- wendiger als bei der Schweizer Kunst. Und natürlich unterscheidet sich die Kundschaft stark. Schweizer Kunstwerke kaufen vornehmlich Schweizer Sammler, während wir bei unseren Auktionen für klassische Mo- derne ein sehr internationales Publikum ansprechen. Koller ist weltweit tätig. Woher kommt das Gros der Käuferinnen und Käufer für impressionistische und Moderne Kunst? JK: Wir verkaufen viele Werke unseres Impressionis- mus- und Moderne-Katalogs ins Ausland, haben aber auch Sammler in der Schweiz, die internationale Kunst sammeln und bei uns kaufen. Die deutschen Künstler und Künstlerinnen verkaufen wir oft an Adressen in der Schweiz oder Deutschland, während die franzö- sischen Künstler sehr international gehandelt werden und neben fast allen Ländern in Europa gerne auchmal nach Amerika oder in den asiatischen Raum gehen. Ist es heute überhaupt noch möglich, eine relevante Sammlung mit Kunst dieser Epoche aufzubauen? CK: Das ist schon möglich, aber mit viel Zeit und mit viel Geld verbunden. Doch es muss ja nicht für jede und jeden gerade das Äquivalent der SammlungMerz- bacher sein, die seit Ende letzten Jahres im Neubau des Kunsthauses Zürich zu bewundern ist. Auch ein- zelne Werke können Herz und Verstand ansprechen und zugleich auf lange Sicht eine gute Investition sein. Und dann bieten wir neben den eingangs erwähnten grossen Namen viele dekorative und gute Kunstwerke von Kunstschaffenden aus der zweiten Reihe an, die auch in kleineren Budgets Platz haben. Welche Rolle nehmen Frauen in der Kunstgeschichte der Moderne ein? JK: Künstlerinnen haben in den letzten Jahren einen extremen Aufschwung erlebt, was auch richtig ist. Man sieht das einerseits an den Preisen auf Auktio- nen, aber auch an dem aktuellen Ausstellungsange- bot, dessen Fokus sich stark verschoben hat. Früher gab es selten Ausstellungen von Künstlerinnen, heute sehen wir diese überall wie kürzlich im Kunstmuseum Bern die Meret-Oppenheim-Schau oder in der Fon- dation Beyeler, wo in der Ausstellung Close-Up ver- schiedene Künstlerinnen von der Moderne bis heute gezeigt wurden. Darunter auch Frida Kahlo, die im Moment sowieso einen riesigen Hype erlebt, der auch in die Mode-oder die Inneneinrichtungsszene über- schwappt. Bei den Impressionisten und der Modernen Kunst hat man zwar weniger mit weiblichen Kunst- schaffenden zu tun als zum Beispiel bei den Zeitge- nossen, aber trotzdemgibt es auch hier immer wieder Werke von beindruckenden Künstlerinnen, die wir an- bieten. So dürfen wir zum Beispiel in der kommenden Auktion am1. Juli das plastische Hauptwerk von Käthe Kollwitz «Mutter mit zwei Kindern» anbieten, eine aus- druckstarke, monumentale Bronzeskulptur. Welche Empfehlungen würden Sie jüngeren Samm- lerinnen und Sammlern mit auf den Weg geben? CK: 1) Kaufen Sie nur an seriösen Adressen und nur, wenn Sie eine Echtheitsgarantie mit Rückgaberecht erhalten. 2) Erkundigen Sie sich nach erzielten Preisen für vergleichbare Werke, bevor Sie kaufen, aber lassen Sie sich dadurch nicht zu sehr einschränken, falls es etwas teurer wird. Gute Kunst hat ihren Preis und man bereut fast immer, wenn man beim Bieten zu früh auf- gibt. 3) Achten Sie auch auf den Erhaltungszustand der Werke. Wir bieten dafür gerne und oft unsere Un- terstützung an. Sie, Cyril Koller, führen das Auktionshaus in zweiter Generation und Sie, Jara Koller, gehören bereits zur dritten Generation, die seit mehreren Jahren tätig ist. Wie ist es, mit dem eigenen Vater, mit der eigenen Fami- lie täglich zusammen- zuarbeiten? JK: Das werde ich im- mer wieder von allen Seiten gefragt. Meis- tens kommt dann: «Ist das nicht komisch? Also ich könnte das nicht.» Für mich klappt das wunderbar. Mein Vater hat sehr viel Er- fahrung meist kluge Ratschläge, wodurch ich profitiere und sehr viel lerne. Wir sind ein gutes Team und wenn ich Fragen habe, unsicher bin oder wir eine Anfrage für ein bedeutendes Werk erhalten, bin ich sehr froh, dass ich mich jederzeit an ihn wenden kann. Auch kommen wir innerhalb der Familie sehr gut aus, was die Zusam- menarbeit, auch mit meinen Schwestern und meiner Mutter, mit Sicherheit erleichtert. CK: Auch ich habe viele Jahre lang mit meinem Va- ter Pierre Koller zusammengearbeitet, dem Gründer unseres Auktionshauses. Das Gewicht der Verant- wortung verschob sich dabei langsam und über viele Jahre. Ich bin mir meines Privilegs sehr bewusst, auf diesem Fundament an Bekanntheit und Erfahrung weitergebaut haben zu dürfen. Die Gestaltungsfrei- heiten, die mir mein Vater damals eingeräumt hat, möchte auch ich an meine Töchter weitergeben. Paul Signac. Pont des Arts. 1925. Öl auf Leinwand. 89,3 × 116,5 cm. 2014 für CHF 5,3 Mio. an US-amerikanischen Privatsammler versteigert. Kees van Dongen. Rouge et Jaune (L'Égyptienne). 1910–11. Öl auf Leinwand. 100 × 73 cm. 2018 für CHF 1,7 Mio. an deutsche Privatsammlung versteigert. Pierre Auguste Renoir. Bord de Seine à Argenteuil. 1880. Öl auf Leinwand. 55 × 65,5 cm. 2005 für CHF 1,6 Mio. an Schweizer Privatsammlung versteigert. © 2022, ProLitteris, Zurich

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