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15 Edouard Manet Manets mysteriöses Bildnis «La Femme aux chiens» offenbart einen starken Bezug des Künstlers zu Spa- nien und zur spanischen Kunst. Durch häufige Besu- che des Louvre schon als Kind und Jugendlicher wa- ren ihm vor allem Meisterwerke von Diego Velasquez und Francisco de Goya vertraut. Zugleich erlebte er die Spanienbegeisterung von «Bürgerkönig» Louis- Philippe, der seine Sammlung iberischer Kunst als «Galerie Espagnole» von 1838 bis zu seiner Abset- zung 1848 ebenfalls im Louvre ausstellte. Die Heirat Napoleons III. mit der Spanierin Eugénie de Montijo machte diese zur Landesmutter der Franzosen, was der anhaltenden Spanienmode weiteren Aufwind gab. Schliesslich sorgten zu Beginn der 1860er-Jahre die Auftritte einer in Paris gastierenden Tanzgruppe des Teatro Real de Madrid für Furore. All das prägte auf Manets Kunst: Schon ab den 1850er-Jahren tauchten Spanien-Bezüge auf, das von uns angebotene gross- formatige Bildnis stammt aus dem Jahr 1862. Wer «La Femme aux chiens» tatsächlich ist, hat sich nicht überliefert. Aufgrund der Erscheinung der Dargestell- ten ist zu vermuten, dass es sich um eine spanische Dame handelt, die zusammen mit der Entourage der Tänzergruppe nach Paris gereist war. Manet konzen- triert sich auf die Darstellung ihrer markanten Ge- sichtszüge. Kräftige Augenbrauen, rötliche Wangen und Lippen und der intensive Blick lassen sie souverän und selbstbewusst wirken. La femme aux chiens. Um 1862. Öl auf Leinwand. 96 × 74 cm. Schätzung: CHF 400 000/600 000 Impressionismus & Moderne, 1.7.2022 Käthe Kollwitz Nach ihren Anfängen in der Zeichnung und verschiedenen druckgrafischen Tec hniken widmete sich die deutsche Künstlerin Käthe Kollwitz ab etwa 1910 der Bild- hauerei. Eine Initialzündung für die Hinwendung zu plastischen Arbeiten dürften die Paris-Aufenthalte in den Jahren 1901 und 1904 gewesen sein. Damals traf sie unter anderem Auguste Rodin in dessen Atelier und be- legte einen Bildhauerkurs an der renommierten privaten Académie Julian. Die monumentale Bronzeskulptur «Mutter mit zwei Kindern» ist inner- halb des plastischen Œuvres der Künstlerin das bedeutendste Werk, das zudem mit engen autobiografischen Zügen versehen ist. Die Kollwitz war selbst Mutter zweier Söhne, doch dürfte die Zwillingsgeburt von Jördi und Jutta in der Enkelgeneration 1923 ein entscheidender Impuls für die Heraus- arbeitung dieser Figurengruppe gewesen sein. 1932 beginnt sie die Arbeit an der Plastik, die Form entsteht in Ton, es folgt eine Abformung in Gips. 1950 fe r- tigte die Giesserei Schmäke in Düsseldorf zwei Bronzen, weitere zehn werde n ab den 1970er-Jahren bei Noack in Berlin gegossen; die meisten davon werden h eute in öffentlichen Institutionen aufbewahrt. Bis heute erhalten ist auch eine Vers ion in Muschelkalk, die – zur Erinnerung an Kollwitz’ soziales Engagement – im öf- fentlichen Raum in Berlin-Pankow aufgestellt ist. Mutter mit zwei Kindern. 1932–36. Bronze, braungrüne Patina. Guss um 1990. 77 × 79 × 84 cm. Schätzung: CHF 130 000/170 000 Impressionismus & Moderne, 1.7.2022
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