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11 grosse Unterschied und zugleich die Herausforde- rung für diese Sammlungen. Neue Kunstschaffende tauchen auf oder bekannte ändern ihren Stil. Einige von ihnen werden gehypt und verschwinden plötzlich wieder vomMarkt. Menschen, die zeitgenössische Kunst sammeln, müs- sen offen sein und ein Gespür für Kunst und die Zeit haben, denn nur ein Bruchteil der Künstlerinnen und Künstler dieser Epoche hat bereits ihre «kunsthisto- rische Legitimation» erhalten und so kommt es sehr auf die eigene Bewertung an. In den letzten Jahrzehnten haben viele neue Tech- niken und Materialien die Gegenwartskunst geprägt und verändert, man denke an Videokunst oder Ins- tallationen. Welche Rolle spielen solche Werke auf dem internationalen Auktionsmarkt im Vergleich zu konventionellen Werken? Gemälde und Zeichnungen, Grafiken und Skulpturen beherrschen nach wie vor den Auktionsmarkt. Video- kunst oder Installationen findet man kaum. Der Kreis der Sammlerinnen und Sammler ist kleiner, aber auch die Präsentation in einer Auktion ist schwieriger. Vor allem Videokunst findet man überwiegend auf dem Primärmarkt. Ein grosses Thema sind derzeit NFTs, also fälschungs- sichere digitale Unikate, die erfolgreich auf Auktionen verkauft werden. Da wird die Zeit zeigen, wie sich die- ses völlig neue Marktsegment entwickelt. 2022 ist ein Jahr, in dem mit der documenta in Kas- sel und der Biennale in Venedig zwei der wichtigsten Kunstschauen der Welt stattfinden. Welchen Ein- fluss haben solche grossen Ausstellungen auf den Auktionsmarkt? Ehrlich gesagt, so gut wie keinen. Manchmal rücken künstlerische Positionen wieder in den Fokus einer breiten Öffentlichkeit. So hat es dem derzeitigen Er- folg von MiriamCahn bestimmt nicht geschadet, dass ihre Werke endlich auf der letzten documenta gezeigt wurden. Aber grundsätzlich gibt es da wenig Über- schneidungen mit Auktionen. Ihr Auktionsfeld ist von europäischer und nordame- rikanischer Kunst dominiert. Wie steht es hier um die Diversifizierung, welche Rolle spielen Kunstschaf- fende aus anderenKontinenten inden letzten Jahren? Tatsächlich trifft diese Dominanz ja auf unsere ge- samte Kunstgeschichtsschreibung zu. Aber zeitgenössische Kunst und ihr Markt haben den Vorteil, reagieren zu können. Sie sind Teil des gesell- schaftlichen Diskurses und nehmen die Probleme und Herausforderungen der Diversifizierung an. Hier spielt z.B. die Documenta für den Kunstmarkt eine bedeu- tende Rolle. Kuratoren wie der Nigerianer Okwui En- wezor, der 2002 die Documenta 11 geleitet hat, oder das jetzige Kuratorenteam Ruangrupa aus Indonesien ‒ unabhängig von der aktuellen Antisemitismus-De- batte ‒ hinterfragen die Dominanz europäischer und nordamerikanischer Kunst und bieten uns gleichzei- tig aus ihrem und anderen Kulturkreisen eine riesige, neue Welt der Kunst, die es zu entdecken gibt. Nichtsdestotrotz gehen Veränderungen langsam von- stattenundesdauert, bis sieauf demAuktionsmarkt an- kommen. Wenn man aber dieses Jahr die Art Basel be- sucht hat, konnteman sehen, wie vielfältigdieWerkeund ihre Künstler geworden sind. Dominant sind auf dem ge- samten Kunstmarkt auch die Männer. Welche Werke von Frauen finden sich auf den Auktionslisten der zeit- genössischen Kunst? Viel zu wenige, aber sehr viel mehr als in allen Epochen zu- vor und die Kunstakademien sind voll von Künstlerinnen. Spannend dabei ist zu sehen, dass es einige Frauen gibt, die ihr Leben lang an einem beeindruckendenŒuvre ge- arbeitet haben, dessen An- erkennung allerdings erst in den letzten Jahren gekom- men ist, ich denke da unter anderem an Louise Bour- geois und Miriam Cahn. Auch hier gilt, wie zuvor: Der Markt, wie die Gesellschaft, Zdenek Sykora (1920–2011). Linien Nr. 12. 1981. Öl und Bleistift auf Leinwand. 170 × 170 cm. Sold for CHF 1 Mio. Fernando Botero (geb. 1932) Ms. Rubens #3. 1964. Öl auf Leinwand. 183 x 178 cm. Sold for CHF 825 000 John Chamberlain (1927–2011). Kiss #14. 1979. Bemalter Stahl. 68,5 × 59,5 × 61 cm. Ergebnis: CHF 526 000 © Fairweather & Fairweather LTD / 2022, ProLitteris, Zurich Abteilung PostWar & Contemporary. ©Damien Hirst and Science Ltd. All rights reserved / 2022, ProLitteris, Zurich; ©Niki Charitable Art Foundation / 2022, ProLitteris, Zurich; © The Willem de Kooning Foundation / 2022, ProLitteris, Zurich bewegt sich langsam, aber niemand kann sich heraus- ragenden Positionen entziehen, wie denen von Louise Bourgeois, Miriam Cahn, Maria Lassnig, Jenny Holzer, Sturtevant, Leiko Ikemura, Louise Nevelson, Angela Bulloch, Sylvie Fleury, Isa Genzken, Alicia Kwade, Vera Molnar, Helen Frankenthaler, Bridget Riley und vielen anderen. Gerade in unserer vergangenen Auktion im Juli konnten wir überdurchschnittlich viele Werke von Künstlerinnen anbieten.
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