KOLLER VIEW 01/24

19 pre view. 02 wenig Sympathie für einige Bischöfe. Mehrere ihrer Köpfe, gekrönt von der Mitra, sind auf den Drachenleibern platziert. Ein schönes Choralbuch entstand um 1520 für den Ge- brauch in einem Dominikanerinnenkloster (Abb. 1). Es steht in engem Zusammenhang mit den berühmten Mechelner Chorbüchern, die der aus Gent stammende flämische Ma- ler Gerard Horenbout für Margarete von Österreich schuf, die damalige Herrscherin der Niederlande. Das von uns an- gebotene Graduale ist zwar kein Werk des Meisters selbst, erweist diesem aber durch stilistische und kompositorische Bezüge seine Referenz. Nicht zuletzt die leuchtenden Farb- kontraste weisen auf Horenbout als wahrscheinliches Vor- bild hin. In den Gradualien sind die lateinischen Texte mit den Melodien des gregorianischen Gesangs hintergelegt, der innerhalb der römisch-katholischen Liturgie während der Messe verwendet wurde. 1 G raduale für den Gebrauch eines Dominikanerinnenklosters. Lateinische und flämische Handschrift auf Pergament. Wohl Mechelen, um 1520. Schätzung: CHF 30 000/50 000 2 S igmund Freud (1856–1939). Sammlung von Briefen an Alphonse Maeder in Zürich. 1910–1913. Schätzung: 50 000/80 000 3 B iblia. Lateinische Handschrift auf Pergament, Paris, um 1250. Schätzung: CHF 90 000/120 000 In unserer kommenden Autographen-Auktion bieten wir eine einzigartige Sammlung von 25 eigenhändigen Briefen des österreichischen Psychoanalytikers Sigmund Freud an, die er an seinen Zürcher Berufskollegen Alphonse Maeder gesendet hat (Abb. 2). Als enger Mitarbeiter Carl Gustav Jungs stand Maeder zunächst in regem Kontakt und Aus- tausch mit Freud, bevor er im Zuge des Bruchs zwischen Freud und Jung 1913/1914 im Lager der «Zürcher Schule» verblieb und die Korrespondenz mit Freud wieder abbrach. Sigmund Freud gilt als eifriger Briefeschreiber. Er stand naturgemäss mit vielen Fachleuten in Verbindung, pflegte aber auch intensive Kontakte zu bedeutenden Schriftstel- lern, Künstlern undGelehrten seiner Zeit wie ThomasMann, Romain Rolland oder Albert Einstein. Freuds Beiträge zur Korrespondenz mit Maeder in den Jahren 1910 bis 1913 ge- ben in einzigartiger Weise Aufschluss über die damaligen Arbeiten, Kollegen, Lektüren und Therapien. Dies macht die Briefe nicht nur zu authentischen persönlichen Zeit- dokumenten, sondern zugleich auch zu wissenschaftsge- schichtlich bedeutsamen Quellen. Eine prachtvoll ausgestattete und illustrierte Bibelhand- schrift aus der Zeit um 1250, reich an lebendigen und inten- siven Initialen, ist ein herausragendes Beispiel für die Meis- terschaft der Pariser Werkstätten im 13. Jahrhundert (Abb. 3). Die Illustrationen vereinen kräftige, leuchtende Farben und strahlendes Gold mit einer Fülle von sorgfältig gestalte- tenMustern undOrnamenten: Ranken undDrachenwinden und drehen sich, selbst die kleinsten Figuren sind individu- ell ausgearbeitet. Die biblischen Szenen werden von einer Vielzahl Hybriden und Grotesken begleitet, die dem Werk nicht nur für die zeitgenössischen Augen einen hohen Un- terhaltungswert verleihen. Offensichtlich hatte der Künstler Einblicke in Sigmund Freuds Korrespondenz Vorschau auf die Auktionen Bücher und Autographen vom 20. März 2024 Für weitere Informationen Bücher, Buchmalerei & Autographen Dr. Andreas Terwey terwey@kollerauktionen.ch Online-Kataloge www.kollerauktionen.ch 2 3

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