KOLLER VIEW 01/24
20 Kunstwerken der bedeutendsten Schweizer Künstler ar- beiten zu dürfen, sie für eine kurze Zeit zu «besitzen». Und wie haben sich die Vorlieben der Kundschaft ver- ändert? CK: Vor zwanzig Jahren haben mehr Leute Schweizer Kunst gesammelt oder gelegentlich ein neues Bild gekauft. Die Preise für gute, aber nicht aussergewöhnliche Werke waren besser als heute. Aber ausserordentliche Gemälde erzielen weiterhin ausgezeichnete Preise. Unsere Auktion für Schweizer Kunst im vergangenen Dezember mit ho- hen Preisen für Giacometti, Zünd, Anker und Vallotton ist ein gutes Beispiel dafür. Durchschnittliche Bilder haben es dagegen schwerer. Vor allem jüngere Käuferinnen und Käufer setzen ihren Schwerpunkt vermehrt auf Kunst nach 1945, Nachkriegs- und Gegenwartskunst sind heute Main- stream. Wir decken auch die Schweizer Kunst nach 1950 bis heute ab, bieten die Werke von Max Bill, Franz Gertsch und anderen aber in unseren Auktionen für internationale Nachkriegskunst an. Jenseits dieses momentanen Trends halten sich langfristig vor allem die wirklich guten Bilder. FrauKoller, wann habenSie entschieden, ins Familien- unternehmen einzusteigen? LauraKoller: Eigentlichwar esweniger eine bewussteEnt- scheidung, als vielmehr eine aussergewöhnliche Gelegen- heit, mich in eine unglaublich faszinierende Tätigkeit einzu- arbeiten und weiterzuentwickeln. Für Kunst habe ich mich schon früh interessiert, der Entschluss, beruflich in diese Richtung zu gehen, kam jedoch erst später. Mit 19 Jahren hatte ich die Möglichkeit, meinen Vater bei einem Kunden- besuch nachBern zu begleiten unddasGemälde ‹Stricken- des Mädchen› von Albert Anker zu besichtigen . Dieser Tag ist für mich eine Art Schlüsselerlebnis – es kommt mir vor, als wäre es gestern gewesen. Ein späteres Seminar über die Beurteilung der Echtheit von Kunstwerken bestärkte mich in meinem Wunsch, in das Familienunternehmen ein- zusteigen. Gegen Ende meines Studiums ergab sich dann die Möglichkeit, in der Abteilung Gemälde Alter Meister zu beginnen. Corona hat auf die Digitalisierung als Katalysator ge- wirkt. Welche Rolle spielt der Online-Handel heute für Sie? Herr Koller, Ihr Auktionshaus gibt es nun bereits mehr als 65 Jahre, inzwischen mit der dritten Generation im Geschäft. Wie hat sich der Handel mit Schweizer Kunst für Ihr Unternehmen im Laufe der Jahrzehnte verändert? Cyril Koller: Schweizer Kunst gehörte schon immer zu unserem Angebot. Mein Vater, Lauras Grossvater, eröffne- te 1958 ein Antiquitätengeschäft, in dem er anfangs haupt- sächlich mit Schweizer Stichen handelte. Rasch kamen auch Gemälde hinzu. Schweizer Kunst wurde bei uns lange Zeit im Rahmen unserer Gemälde-Auktionen mit interna- tionalenWerken angeboten. 2006 habenwir die Schweizer von der internationalen Kunst getrennt und führen seither für beide Bereiche separate Auktionen durch. Das hat un- seren Auktionen für Schweizer Kunst einen grossen Schub verliehen. Es ist schön, immer wieder mit herausragenden –––– «Der persönliche Kontakt macht weiterhin einen entscheiden- den Unterschied.» Cyril Koller –––– «Ausserordentliche Gemälde erzielen ausgezeichnete Preise » Laura und Cyril Koller geben Einblick in die Abteilung Schweizer Kunst CK: Wir haben schon vor Corona eine eigene Plattform für unsere Online-only-Auktionen entwickelt. Über unsere ibid-Versteigerungen vermitteln wir sehr viele Objekte aus unterschiedlichsten Bereichen. Wir glauben aber, dass sich die klassische Saalauktion für hochpreisige Kunst- werke nach wie vor besser eignet. Der persönliche Kon- takt zwischen Auktionator, Kundschaft und unseren Mit- arbeitenden an den Bietertelefonen macht weiterhin einen entscheidenden Unterschied. Ob das in zehn Jahren noch so sein wird, weiss ich nicht. Aber man kann unsere klassi- schen Saalauktionen schon lange auch im Internet verfol- gen und online mitbieten. Albert Anker. Verkauft für CHF 3 Mio. Ferdinand Hodler. Verkauft für CHF 4 Mio. Giovanni Giacometti. Verkauft für CHF 1,1 Mio.
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