KOLLER VIEW 01/24
5 pre view. 02 Die Legende vom heiligen Georg, der den Drachen tötet, um die Prinzessin Cleodolinda zu befreien, war ein weit verbreitetes Motiv in der Malerei der Renaissance. Das im März zur Auktion gelangende Gemälde des deutschen Künstlers Johann König (Abb. 2) reiht sich nahtlos in die Folge virtuoser Darstellungen des Drachentöters ein und veranschaulicht die zeitlose Idee vom Triumph des Guten über das Böse. Die demMotiv zugrunde liegende Legende ist erstmals Mitte des 13. Jahrhunderts durch den Domini- kaner Jacobus de Voragine überliefert. Die Bilder zeigen jeweils den dramatischen Moment des Lanzenstosses; König komponiert die Szene kraftvoll und lebendig: Der he- ranstürmende Schimmel, von dessen Rücken aus der Hei- lige mit angespannter Muskulatur und der Stichwaffe unter dem Arm angreift, bildet einen kontrastreichen Gegenpol zum Furcht einflössenden Drachen. Das Gemälde dürfte in Rom entstanden sein, wo sich der Künstler zwischen 1610 und 1614 aufhielt. König machte vor allem mit seinen sehr fein ausgeführten Gemälden auf Kupfer Furore. Die hier angebotene Tafel besticht durch eine phantastische Liebe zum Detail. Dabei hat sich die leuchtende Farbigkeit des Gemäldes über die vierhundert Jahre seit seiner Ent- stehung bewundernswert erhalten. «Der Ohnmachtsanfall» von 1680 ist eines der berühmtes- ten Werke des Niederländers Eglon van der Neer (Abb. 1). Sein erster bekannter Besitzer war Kurfürst Johann Wil- helm von der Pfalz, einer der grössten Sammler seiner Zeit. Das Interieurgemälde, das eine wohlhabende Dame in ei- nemMoment der Unpässlichkeit zeigt, diente seinerzeit als sogenanntes «Konversationsstück» der Unterhaltung ge- bildeter Bürger und Adliger. Die ohnmächtige Dame hat sich gerade einem Aderlass unterzogen, worauf das Schälchen mit Blut im Vordergrund verweist. Die Fesseln ihres Korsetts wurden gelockert, damit sie freier atmen kann. Komposi- torisch bezieht sich das Motiv auf ein rund 13 Jahre früher entstandenesWerk des Leidener Meisters Frans van Mieris, das sich heute im Getty Museum in Los Angeles befindet. Der in Amsterdam als Sohn des berühmten Landschafts- malers Aert van der Neer geborene Eglon van der Neer erhielt seine künstlerische Ausbildung bei dem bekannten Amsterdamer Figurenmaler Jacob van Loo. Während seiner Tätigkeit in Amsterdam und Rotterdam spezialisierte er sich auf Genre- und Porträtmalerei. In seiner späten Schaffens- zeit war van der Neer Hofmaler des spanischen Königs Karl II. in Brüssel und später Hofmaler des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz in Düsseldorf und widmete sich dort auch mythologischen und biblischen Darstellungen. 1 D etail: Eglon Hendrik van der Neer (um 1635–1703). Der Ohnmachtsanfall. 1680. Öl auf Holz. 52 × 42,6 cm. Schätzung: CHF 350 000/450 000 2 Von starken und schwachen Momenten Vorschau auf die Auktion Gemälde Alter Meister vom 22. März 2024 2 J ohann König (1586–1632). Der Heilige Georg und der Drache. Öl auf Kupfer. 14,7 × 21,2 cm. Schätzung: CHF 300 000/500 000 Für weitere Informationen Gemälde Alter Meister KarolineWeser weser@kollerauktionen.ch Online-Kataloge www.kollerauktionen.ch
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