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02 pre view. 14 Franz Kafka erlebte den Erfolg seiner Werke nicht mehr, und ein Li teraturpreis blieb ihm zu Lebzeiten verwehrt. Doch 1915 stellte Carl Sternheim, Träger des Fontane-Preises, sein Preisgeld öffentlich dem Talent aus Prag zur Verfügung. So verschaffte er dem scheuen Schriftsteller zumindest etwas Aufmerksamkeit. Ein bisher unbe kannter Dankesbrief Kafkas an Sternheim ist nun Teil unserer Auk tion für Bücher und Autographen (Abb. 1). Darin schlägt der scheue Verfasser einen recht artigen und etwas verschämten Ton an: «Dass diese Entscheidung gerade von Ihnen kommt, ehrt mich besonders, sie ist mir wichtiger, als Sie denken können.» Weniger demütig schreibt Albert Einstein 1936 in einem Gratulati onsbrief an seinen ältesten Sohn Hans Albert, der in Zürich promo vierte (Abb. 3): «Ich freue mich riesig, dass Deine Arbeit nun fertig geworden ist. Mit dem Drucker, der Dein Geschreibsel lesen muss, habe ich aber wirklich Mitleid.» Doch Einstein zeigt sich zugleich grosszügig: «Was das Institut an den Druckkosten nicht zahlt, das zahle ich. Ich habe genug Geld dafür in Zürich, das gar nicht besser verwendet werden könnte.» Die Briefe und Dokumente in unserem Katalog zeigen immer wie der, wie sehr Talente auf finanzielle Unterstützung angewiesen sind – sei es, um zu überleben oder sich zu entfalten. Wie entspannt das Leben hingegen sein kann, wenn man im Exil, aber im eigenen Schloss residiert, verdeutlicht ein Album aus dem Besitz von Napo leons Stieftochter und Schwägerin Hortense de Beauharnais. Ihr Künstleralbum, das aus ihrem Nachlass stammt, lenkt den Blick auf ihr beschauliches Leben in Arenenberg am Bodensee, das sie den Künsten widmete (Abb. 4). Das Angebot umfasst viele weitere Autographen und Bücher aus unterschiedlichsten Bereichen. Im Rilke-Jahr darf auch dieser Pra ger Dichter nicht fehlen. Ein eigenhändiges Manuskript seines be rühmten Gedichts «Der Panther» widmete und schenkte er 1907 einer Unbekannten (Abb. 2). Manchmal wird Literatur selbst zur Währung. VomWert der Worte Vorschau auf die Auktion für Bücher & Autographen vom25. März 2026 1 2 3 1 Franz Kafka (1883–1924). Eigenhändiger Brief mit Unterschrift. Prag, 20. Oktober [19]15. 8°. Schätzung: CHF 30 000/40 000 2 Rainer Maria Rilke (1875–1926). Der Panther. Eigenhändiges Gedicht- manuskript. Mit Widmungsblatt, datiert 1907. Schätzung: CHF 14 000/20 000 Für weitere Informationen Bücher & Autographen Dr. Andreas Terwey terwey@kollerauktionen.ch Online-Kataloge www.kollerauktionen.ch 3 Albert Einstein (1879–1955). Eigenhändiger Brief an seinen Sohn Hans Albert Einstein. Schätzung: CHF 5 000/8 000 4 Hortense de Beauharnais (1783–1837). Album aus ihrem Besitz mit 69 Aquarellen und Pinselzeichnungen. Schätzung: CHF 14 000/18 000 4
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