KOLLER VIEW 01/26
02 pre view. 6 Im Jahr 1622 malte Pieter Brueghel d. J. eine Allegorie des Herbstes (Abb. 4). Das Gemälde war sehr wahr scheinlich Teil einer Vier-Jahreszeiten-Folge und wur de vermutlich zuletzt 1935 auf dem Auktionsmarkt an geboten. Seither verblieb das mittelformatige Bild in Schweizer Privatbesitz und seit vier Generationen in derselben Familie. Die symbolisch aufgeladene Dar stellung verbindet sich mit einer anschaulichen Dar stellung des ländlichen Alltags. Im Vordergrund steht eine Metzgete mit Schweineschlachtung, während Kinder das Geschehen neugierig verfolgen und mit einem zum Ballon aufgeblasenen Schweinsmagen spielen. Im Mittel- und Hintergrund weitet sich der Blick zu einer Flusslandschaft mit Weinbergen. Die mit einem Augenzwinkern eingestreuten Randepisoden unterstreichen den erzählerischen Reichtum und die lebensnahe Beobachtungsgabe des Künstlers. Das Brueghel-Gemälde ist vom Künstler signiert und auf das Jahr 1622 datiert. Ebenfalls datiert – hier auf das Jahr 1562 – und mit dem Monogramm «JB» versehen, ist ein frühes Ölgemälde von Joachim Beuckelaer. Es zeigt eine dramatische Episode aus dem Alten Testament: das Urteil des Sa lomon (Abb. 2). Zwei Frauen streiten vor dem König um ein Kind, das jede von ihnen als das eigene bean sprucht. Salomon wird als Richter aufgesucht und ent larvt durch seine berühmte Weisheitsprobe die falsche Mutter. Beuckelaer entfaltet die Szene in einer ebenso farbenreichen, wie detailfreudigen Komposition. Die unterschiedliche emotionale Haltung der Beteiligten ist fein abgestuft wiedergegeben und steigert die drama tische Wirkung des Geschehens. Das Gemälde wurde kürzlich in einer Schweizer Privatsammlung wiederent deckt. Es stammt aus jener Schaffensphase, in der sich der Künstler von seinem Umfeld löste und eine eigene, unverwechselbare Bildsprache entwickelte. Jan Lievens, der als junger Künstler seine Werkstatt in Leiden mit dem fast gleichaltrigen Rembrandt teilte und der sich später an der Kunst von Peter Paul Rubens orientierte, malte eine stimmungsvolle Landschaft mit Kirche (Abb. 1). Das Bild zählte einst zur Kunstsamm lung des britischen Politikers Charles Cecil Cope Jen kinson (1784–1851). Eine Besonderheit des auf Holz ausgeführten Gemäldes ist die rückseitige Brandmar ke des Antwerpener Tafelmachers Guilliam Gabron. Die detailreiche Darstellung der Madonna mit Kind so wie der Heiligen Dorothea, Katharina von Alexandrien, Jakobus dem Jüngeren und Antonius Abbas stammt aus dem Florenz der Jahre 1410/15 (Abb. 3). Das Bild wird dem Umkreis von Gherardo Starnina und Lorenzo Monaco zugeordnet. Brueghels Blick ins Leben Vorschau auf die Auktion Gemälde Alter Meister vom27. März 2026 1 Jan Lievens (1607–1674). Stimmungs- volle Landschaft mit Kirche imHinter- grund. Öl auf Holz. 24 × 34,7 cm. Schätzung: CHF 60 000/80 000 2 Joachim Beuckelaer (1533–1574/75) Das Urteil des Salomon. 1562. Öl auf Holz. 63,5 × 91,1 cm. Signiert. Schätzung: CHF 30 000/50 000 Für weitere Informationen Gemälde Alter Meister Karoline Weser weser@kollerauktionen.ch Online-Kataloge www.kollerauktionen.ch 3 Florenz, um 1410–1415. Madonna mit Kind und Heiligen. Tempera und Goldgrund auf Holz. 82,1 × 48,7 cm. Schätzung: CHF 80 000/120 000 4 Pieter Brueghel d. J. (1564–1638). Allegorie des Herbstes. 1622. Öl auf Holz. 41,1 × 56 cm. Signiert. Schätzung: CHF 300 000/500 000 1 2 3
RkJQdWJsaXNoZXIy MTU2