KOLLER VIEW 2/24
02 pre view. 10 Frauen imFarbenrausch Vorschau auf die Auktion Impressionismus &Moderne vom21. Juni 2024 Mit Gabriele Münter, Paula Modersohn-Becker und Marianne von Werefkin prägten auch drei starke Frauen die Malerei des deutschen Expressionismus am Beginn des 20. Jahrhunderts. Ihr lang unterschätzter Beitrag zur Herausbildung einer expressiven Bildsprache und Farb- palette, die dasWesen der Natur in ihrer Schlichtheit und Komplexität einzufangen vermag, wurde inzwischen durch Ausstellungen und Publikationen angemessen gewürdigt. Gemeinsam mit Wassily Kandinsky entdeckte Gabriele Münter 1908 denmalerischen Ort Murnau amStaffelsee in Bayern. Nicht nur die beiden, sondern auch ihre Weg- gefährtinnen und Freunde waren von der bezaubernden Landschaft rund um den «Blauen See» angetan. Mün- ters Motiv «Haus am See mit blauen Bergen» (Abb. 2) stammt aus ihrer zweiten Lebensphase in Murnau, wo- hin sie 1931 – diesmal mit ihrem neuen Lebensgefährten Johannes Eichner – zurückgekehrt und sesshaft gewor- den war. Die Landschaft in klaren, reduzierten Formen lebt vom Spiel der kräftigen Farben im Abendlicht. Werefkins «Romantische Landschaft mit Reitern» (Abb. 5) ist von innerer Spannung aufgeladen und wird von markanten Farbklängen beherrscht. Das Gemälde ent- stand in den vom Ausbruch des Ersten Weltkrieges ge- prägten Jahren um 1915, als Werefkin mit ihrem Lebens- gefährten Alexej von Jawlensky aus Deutschland an den Genfersee geflohen war. Die Künstlerin war ein wichti- ges Mitglied der Gruppe Blauer Reiter und orientierte sich an den farbenprächtigen Werken von Gauguin, den Nabis, van Gogh, Munch und Hodler. Ein wunderbares Detail ist die Darstellung der Reiter. Ob es sich dabei um Werefkin und Jawlensky selbst oder vielleicht doch um die apokalyptischen Reiter handelt, bleibt dem Auge des Betrachters überlassen. «Landschaft mit drei Birkenstämmen» von Paula Mo- dersohn-Becker (Abb. 3) ist typisch für ihre eigenwillige Bildsprache: Mit kräftigem Pinselstrich und reduzierter Farbpalette fängt sie die Essenz der Natur in all ihrer Ein- fachheit und Tiefe ein. 1 Emil Nolde (1867–1956). Abendlandschaft am Ruttebüllersee. Um 1925. Aquarell und Tusche auf Japanpapier. 36,5 × 50,4 cm. Schätzung: CHF 80 000/120 000 © Nolde Stiftung Seebüll 2 Gabriele Münter (1877–1962). Haus am See mit blauen Bergen. 1933–35. Öl auf Karton. 38 × 40 cm. Schätzung: CHF 120 000/180 000 © 2024, ProLitteris, Zurich 3 Paula Modersohn-Becker (1876–1907). Landschaft mit drei Birkenstämmen. 1901. Öl auf Karton. 54,5 × 40,5 cm. Schätzung: CHF 40 000/70 000 Für weitere Informationen Impressionismus & Moderne Jara Koller jara.koller@kollerauktionen.ch Online-Kataloge www.kollerauktionen.ch 4 Hermann Max Pechstein (1881–1955). Sommerabend in den Dünen. 1939. Öl auf Leinwand. 78 × 99 cm. Schätzung: CHF 120 000/180 000 © Pechstein Hamburg/Toekendorf / 2024, ProLitteris, Zurich 5 Detail: Marianne von Werefkin (1860–1938). Romantische Landschaft mit Reitern. Um 1915. Öl auf Holz. 62,5 × 73 cm. Schätzung: CHF 100 000/150 000 1 2 3 4
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