KOLLER VIEW 4/22
INTER 20 Karoline Weser ist bei Koller Auktionen Expertin für die Kunst Alter Meister Der uneingeschränkte Blick auf Alte Meis ter Dirck van Baburen (1595–1624). Opfergabe an Ceres. Um1621. Ergebnis: CHF 1,4 Mio. (September 2022) Frau Weser, seit wann sind Sie bei Koller tätig? Nach dem Studium der Kunstgeschichte an der Rhei- nischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und dem Courtauld Institute of Art in London war ich im Londoner Kunst- und Auktionsmarkt tätig. Seit 2006 bin ich bei Koller Auktionen Zürich für die Gemälde Alter Meister und des 19. Jahrhunderts zuständig. Erinnern Sie sich an ein besonderes Erlebnis wäh- rend dieser Zeit? Einer meiner ersten eindrücklichsten Momente war, als ich zu einer Schätzung gebeten wurde und das frühe Stillleben von Ambrosius Bosschaert d. Ä. (1573‒1621) von 1608 in der Stube eines ländlichen Wohnhauses entdeckte. Es befand sich seit dem 19. Jahrhundert in derselben Familie und wurde dort besonders wegen seiner Feinmalerei geschätzt. Das Gemälde avancierte schliesslich zum teuersten Alt- meistergemälde in der Schweiz und zum damaligen Topergebnis des Künstlers. Ein Kunstwerk kann auf verschiedene Art begeis- tern: durch seine Herkunft, durch illustre Vorbesit- zer oder durch Marktfrische. Was muss ein «Alter Meister» im Idealfall mitbringen, um das Interesse der Käuferschaft zu wecken? Eine besondere Konstellation ist es, wenn alle drei Faktoren zusammenkommen, wie wir dies zuletzt bei der Allegorie der Geduld von Giovanni Maria Butteri (1540‒1606) gesehen haben. Aber sicherlich ist die künstlerische Qualität das beste Argument für einen erfolgreichen Verkauf. Dies zeigte sich beispielsweise beim Fischmarkt von Jan Brueghel d. Ä. (1568‒1625), den wir im März 2022 sehr gut verkauft haben. Gelegentlich trifft man auf vermeintlich jüngere Ko- pien, die sich bei genauerer Recherche als Originale aus der Zeit herausstellen. Können Sie von einer sol- chen Wiederentdeckung berichten? Für unsere März-Auktion 2022 erhielten wir aus einem Schweizer Nachlass ein Gemälde nach David Teniers II (1610‒1690) zum Verkauf, das im 20. Jahrhundert in der Familie als eine Kopie weitergereicht wurde. Ambrosius Bosschaert d. Ä. (1573–1621). Blumenstillleben. 1608. Öl auf Kupfer. 26 × 18,1 cm. Ergebnis: CHF 5,77 Mio. (September 2008) Angelika Kauffmann (1741–1807). Dido amScheiterhaufen, dieGötter herbeirufend. Öl auf Kupfer. 32,5 × 26,5 cm. Ergebnis: CHF 85 000 (September 2022)
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