KOLLER VIEW 4/22

Pierre-Auguste Renoir Seit den frühen 1880er-Jahren nahm die Stilllebenmalerei im Schaffen von Pierre-Auguste Renoir (1841–1919) eine herausragende Stellung ein. In Kompositionen wie «Bouquet de fleurs au pichet de terre» von 1885, die wir in unserer Dezember-Auktion anbieten können, erforschte er die Wirkung von Licht und Farbe auf Gegenständen und Oberflächen. Blumen zu malen, so Renoir, sei für ihn eine Form der geistigen Entspannung. «Wenn ich Blumen male, kann ich kühnmit Farbtönen experimentieren, ohnemir Sorgenmachen zumüssen, das ganze Bild zu zerstören.» In seinen Blumenstillleben lotete Renoir nicht nur dekorative und formale Möglichkeiten der Bildgestaltung aus, sie stellten für ihn auch eine zuverlässige Einnahme- quelle dar. Das war auch der Aufmerksamkeit des einflussreichen Pariser Galeristen und Im- presarios Paul Durand-Ruel nicht entgangen. Zudem eröffnete sich Renoir in jenen Jahren die Gelegenheit, seine Werke an den wichtigen Salons der Hauptstadt auszustellen. PierreAuguste Renoir (1841–1919). Bouquet de fleurs au pichet de terre. 1885. Öl auf Leinwand. 41 × 33,4 cm. Schätzung: CHF 200 000/300 000 Corinths Blick über den See Eine Serie von Gemälden des oberbayrischen Walchensees do- miniert das Spätwerk von Lovis Corinth. 1918 besucht der deut- sche Künstler mit seiner Frau Charlotte erstmals das Bergdorf Urfeld. Die dramatische Landschaft mit dem beeindruckenden Walchensee fesselte die Corinths so sehr, dass sie sich dort ein Holzhaus bauen liessen. «Nacht am Walchensee» aus unserer Dezember-Auktion entstand 1924 und zeigt wohl die Aussicht von der Terrasse des Urfelder Anwesens. Corinth stellt auch hier einen Baum ins Zentrum der Komposition und versperrt somit dem Betrachter die freie Sicht auf den See. Die Walchensee- Folge überstrahlt das Œuvre Corinths und zeigt sowohl moti- visch wie auch technisch die Entwicklung von der impressionis- tischen Malweise hin zum Expressionismus. Das Werk stammt aus der bedeutenden Sammlung von Udo und Dora Rukser. Als gut situierter Anwalt und passionierter Kunstsammler erwarb Udo Rukser dieses Motiv wohl 1927 auf einer Auktion bei Leo Grünpeter in Berlin. Lovis Corinth (1858–1925). Nacht amWalchensee. 1924. Öl auf Karton. 59 × 73 cm. Schätzung: CHF 200 000/300 000 «Danses d’Alceste» Maurice Denis (1870–1943) nimmt um 1904 mit seinem Gemälde «Danses d’Alceste, Paysage d'Albano» Bezug auf die griechischeMythologie. DieGeschichte von Alkestis, Königstochter und Frau von Admetos, dem König von Pherai, handelt von deren Opfer: Sie wollte anstelle ihres vom Tode bedrohten Mannes sterben, woraufhinHerakles beiden das Leben rettete. KünstlerischenNiederschlag fandder Alkestis-Mythos 438 v. Chr. in einer Tragödie des Dramatikers Euripides, im18. Jahr- hundertvertontenGeorg-FriedrichHändel undChristophWillibaldGluckdenantiken Stoff. MauriceDenis, 1888/89Mitgründer der Künstlergruppe ‹LesNabis› und in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg enger Weggefährte von Aristide Maillol, zeigt Alkestis im Kreis weiterer Tänzerinnen in einem paradiesisch anmutenden Garten vor südlicher Landschaft amMittelmeer. Maurice Denis (1870–1943). Danses d'Alceste, Paysage d'Albano. 1904. Öl auf Leinwand. 80 × 108 cm. Schätzung: CHF 90 000/120 000 Vorschau auf die Auktion Impressionismus & Moderne vom 2. Dezember 2022 Licht, Farbe, Patina 13

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