KOLLER VIEW 4/22

5 1 Robert Zünd (1827–1909). Die Mühle bei Rathausen. Öl auf Leinwand. 67 × 99 cm. Schätzung: CHF 100 000/150 000 2 Albert Anker (1831–1910). Kartoffelschälendes Mädchen. 1886. Öl auf Leinwand. 70 × 52 cm. Schätzung: CHF 900 000/1 400 000 3 Albert Anker (1831–1910). Knabe mit roter Weste. 1885. Öl auf Leinwand. 40,3 × 32,5 cm. Schätzung: CHF 300 000/500 000 4 Detail: Augusto Giacometti (1877–1947). Rosen. 1933. Öl auf Leinwand. 96 × 100 cm. Schätzung: CHF 180 000/280 000 5 Giovanni Giacometti (1868–1933). Capolago. 1931. Öl auf Leinwand. 75 × 80 cm. Schätzung: CHF 300 000/400 000 6 Giovanni Giacometti (1868–1933). Ottilia auf dem Balkon. 1911. Öl auf Leinwand. 65 × 52,5 cm. Schätzung: CHF 100 000/150 000 Gemälden im Werk Albert Ankers, die je durch unse- re Hände gingen. Werke wie der farbenprächtige Sil- sersee (Abb. 5) stehen für Giovanni Giacomettis vol- le Befreiung aus den künstlerischen Abhängigkeiten von prägenden Einflüssen so bedeutender Vorbilder wie Segantini, den Neoimpressionisten, Cézanne, van Gogh und Hodler, die ihn während seiner Karriere begleiteten. In Bildern wie diesem aus seinem maleri- schen Spätwerk fand er zu seiner künstlerischen Voll- endung. Das zur Auktion gelangende Bild ist in seinem sinnlichen und spontanen Duktus ein Paradebeispiel und Meisterwerk aus dem späten Schaffen des Ber- geller Künstlers. Hier, in der Nähe vom Standpunkt des Malers, besass Giacometti ein Haus, in dem er sich auch ein Atelier eingerichtet hatte und das er in den langen Sommerferien mit seiner sechsköpfigen Familie bewohnte. Schwere weisse Wolken ziehen am Gipfel des Corvatsch vorbei, in der Bildmitte glitzert der See im Sonnenlicht. Das Wasser erscheint stel- lenweise aufgeschäumt, offenbar bläst der Maloja- wind an diesem warmen Sommertag durchs Engadin. Zu seiner Frau und zu seinen Kindern pflegte Giovanni Giacometti eine tiefe und innige Beziehung. Auf vie- len Gemälden wählt er die junge Familie einzeln oder gemeinsam als Motiv. Ottilia, das zweitälteste seiner vier Kinder, scheint mit ihrem Lachen den Sommer- tag zu erhellen (Abb. 6). Giacometti gelingt es, einen besonderen Moment des Glücks in diesem Gemälde einzufangen. In Augusto Giacomettis Rosenbild (Abb. 4) schliess- lich vereinigt sich die lebenslange Beschäftigung des Künstlers mit verschiedensten Abstraktionsstufen und einer ins Höchste gesteigerten Farbigkeit. Drei grosse Phasen strukturieren sein Schaffen. Nach Anfängen in Paris, während denen ihn der Jugendstil stark beeinflusste, schuf er in den Jahren nach 1910 erste mosaikartige Abstraktionen, die zu seinen wich- tigsten Arbeiten zählen. Das Gegenständliche bleibt gleichwohl gleichberechtigt und dringt in vielen dieser Bilder immer wieder durch. Die Kräfte von Gegen- ständlichkeit und Abstraktion befinden sich in seinem gesamten Schaffen in stetigem Ringen. Die späten, teils abstrakt, teils gegenständlich anmutenden Blu- menbilder, aus denen das hier gezeigte nicht nur we- gen seines Formats herausragt, werden zur Verherrli- chung der Farbe an sich. 5 6 FÜR WEITERE INFORMATIONEN SCHWEIZER KUNST Laura Koller lkoller@kollerauktionen.ch ONLINE-KATALOGE www.kollerauktionen.ch

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