KOLLER VIEW 4/24
pre view. 02 15 5 6 4 5 Rote Reflexe im Schnee Für sein grossformatiges Ölgemälde «Wintersonne» aus dem Jahr 1927 wählte Cuno Amiet eine dramatische Kombination kräftiger Farben, offenbar hat ihn das Na- turerlebnis emotional stark berührt. Die hell leuchtende Sonne umgibt eine orange-feuerrote Corona, die sich vom dunklen Himmel abhebt. Der Schnee der nahen Hügel ist vomSonnenlicht zartrosa gefärbt, die Schatten- partien sind in kühlen, hellen Blautönen ausformuliert. Mit den nahen Bauerngehöften im Mittelgrund und den sich schemenhaft am Horizont abzeichnenden Berg- ketten verleiht der Künstler dem Bildraum eine enorme Tiefe. Cuno Amiet (1868–1961). Wintersonne. 1927. Öl auf Leinwand. 80 × 100 cm. Schätzung: 160 000/260 000 4 Gleissendes Licht Gottardo Segantinis Naturverbundenheit zeigt sich in einer Vielzahl von Landschaftsbildern, die seine Hei- mat, das Oberengadin, zu verschiedenen Jahres- und Tageszeiten festhalten. Das vorliegende Winterbild öffnet den Blick auf die Silser Ebene und die sie umge- benden Alpengipfel. Die kühlen Farben erinnern den Betrachter dezent an die Rauheit der Berge, gleichzei- tig wirkt der Schnee, der die Landschaft bedeckt, aus- gleichend. Die vielzitierte «Stille der Berge» hat hier bei Segantini eine charakteristische malerische Entspre- chung gefunden. Gottardo Segantini (1882–1974). Silser Ebene. 1960. Öl auf Hartfaserplatte. 82 × 65 cm. Schätzung: CHF 80 000/120 000 6 Farbgewitter imAtelier Das lebhafte, expressive Farbenspiel dieses Atelier- bildes von Augusto Giacometti lässt vermuten, dass es dem Künstler weniger um das Motiv an sich ging – zwei Armlehnstühle auf einem Orientteppich und das Ölgemälde auf der Staffelei im Hintergrund –, als viel- mehr um den Klang der kräftigen Farben Rot und Blau. Gleichwohl erzählen die beiden leeren Stühle auch die Geschichte von Maler und Modell, von der dialogischen Begegnung von Subjekt und Objekt im Malatelier. Ob- wohl Giacometti hier keine Menschen zeigt, sind sie doch auf stille Weise in diesem Bild präsent. Augusto Giacometti (1877–1947). Im Atelier I. 1939. Öl auf Leinwand. 55 × 55 cm. Schätzung: CHF 70 000/90 000
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